Uwe Jansons Film „Auf das Leben“ ist großes Arthouse-Kino

Standing-Ovations in Haifa, Einladungen nach Hof, Sao Paulo, Sydney, San Francisco und Montreal sowie zahlreiche positive Rezensionen – schon vor dem Kinostart am 27. November heimst Uwe Jansons Tragikomödie „Auf das Leben“ jede Menge Vorschusslorbeeren ein. Doch lohnt sich der Kinobesuch wirklich? Ich hatte die Chance, „Auf das Leben“ am 29. Oktober bei seiner Premiere in Berlin zu sehen.


aufdaslebenHannelore Elsner und Max Riemelt laufen in „Auf das Leben“ zur Höchstform auf

„Auf das Leben“ ist die Geschichte von Ruth und Jonas – zwei Charakteren, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten. Kennen lernen sich die ehemalige Cabaret-Sängerin und Shoah-Überlebende und der junge Möbelpacker ausgerechnet bei der Zwangsräumung von Ruths Wohnung und ihrer Musikinstrumentenwerkstatt. Aus der flüchtigen Begegnung entwickelt sich bald eine Schicksalsgemeinschaft. Beide eint, dass ihr Leben aus den Fugen geraten ist.

Angekommen im Altersheim, verliert die launige Ruth schnell die Lebenslust. Jonas hingegen flieht vor einer unaufhaltsamen Krankheit in einen exzessiven Lebensstil. Dem Altersunterschied und ihrer unterschiedlichen Lebenserfahrung zum Trotz, entwickeln beide den Wunsch, dem jeweils Anderen auf die Beine zu helfen – und sei es mit ungewöhnlichen Maßnahmen.

Wer spielt mit?

Der Produzentin Alice Brauner ist es gelungen, prominente Hauptdarsteller zu gewinnen: Keine Geringere als Hannelore Elsner (Hin und Weg, Jesus liebt mich, Kirschblüten – Hanami), die Grande Dame des deutschen Films, verkörpert Ruth. Max Riemelt (Napola, Im Angesicht des Verbrechens, Freier Fall) spielt mit Jonas die erste Doppelrolle seiner Karriere.

In den Nebenrollen überzeugen Sharon Brauner (Der letzte Zug, Frau sucht Happy End) als junge Ruth, Andreas Schmidt als Professor Werner (Banklady, Sommer vorm Balkon) und Aylin Tezel (Coming In, Am Himmel der Tag). Für einen wahren Überraschungseffekt sorgt der ungeahnt vielseitige Markus Maria Profitlich, den viele bislang (nur) aus dem Blödel- Comedy-Format „Mensch Markus“ kannten, als Anstaltsinsasse Hermann.

Wer hat’s inszeniert?

„Auf das Leben“ wurde von Alice Brauner (Wunderkinder, So ein Schlamassel, Der letzte Zug) produziert, der Tochter des legendären Berliner Produzenten Artur Brauner (CCC Film). Uwe Janson (Danni Lowinski, Der Minister, Tatort – Im Abseits) führte zum ersten Mal seit dem Thriller „On the Inside“ wieder Regie bei einer Kinoproduktion.

Das Drehbuch stammt aus der Feder von Thorsten Wettcke (Die Wallensteins, Die Toten vom Bodensee 2, diverse Tatort-Episoden) und basiert auf Kindheitserinnerungen von Alice Brauners Mutter Maria Brauner. Für die hervorragende Bildsprache zeichnen Peter Joachim Krause (Kamera), Boris Gromatzki und Anna Nekarda (beide Schnitt) verantwortlich.

Lohnt sich der Kinobesuch?

„Auf das Leben“ ist großes Arthouse-Kino mit viel Liebe fürs Detail, verfeinert mit einer gesunden Portion Sarkasmus und – wie könnte es bei Brauner-Filmen auch anders sein? – nie kitschig wirkender jüdischer Folklore. Die Stärke des Films liegt sicher nicht im nach knapp 90 Minuten sehr abrupt kommenden Ende. „Auf das Leben“ punktet aber mit den Dialogen zwischen Ruth und Jonas, mit seiner stets leicht verruchten Bildsprache und durch die flashback-artigen Gesangsszenen, in denen Sharon Brauner den Zuschauer als junge Ruth mitreißt.

Der Kinobesuch lohnt sich nicht zuletzt für alle Fans von Hannelore Elsner und Max Riemelt, die unter der Regie von Uwe Janson zur Höchstform auflaufen und ein energetisches, spannungsreiches Filmpaar abgeben. Es bleibt abzuwarten, ob Riemelt – trotz des zu erwartenden internationalen Durchbruchs mit der Netflix-Serie „Sense8“ – zukünftig noch oft in deutschen Produktionen zu sehen sein wird. Zu wünschen wäre es dem deutschen Film.