Tariq Abo Gamra debütiert mit Science Fiction-Roman „Gropus – Die Legende der fünf Steine“

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Zugegeben, das letzte Update ist lange her. Umso dankbarer bin ich, dass mir der Münchner Autor Tariq Abo Gamra seinen neuen, ersten Roman vorgestellt hat. „Gropus – Die Legende der fünf Steine“ heißt das Debüt und zählt – trotz seiner für dieses Genre vergleichsweise wenigen 249 Seiten – zu den besten Science Fiction-Romanen, die in den letzten Jahren erschienen sind.

 

Wovon handelt Tariq Abo Gamras Roman „Gropus – Die Legende der fünf Steine“?

„150.000 Kilometer pro Stunde und beschleuniged“, sagte die Frau vor den Bildschirmen am Kontrollsystem. Administrator Peter Matron beobachtete den grünen Punkt auf der großen Leinwand.

„Geschätzter Einschlag?“, fragt er. (…)

„Eine Stunde!“, kündigte die Frau an.

„Was!? Ich muss wissen, welche Kategorie es ist! Jetzt“, rief Peter entsetzt.

„Ich kann nicht genau sagen …“

„Welche Kategorie?!“, fragte Peter nochmal.

Die Frau hackte hektisch auf die Tastatur. „Positiv!“ kündigte sie dann an.

„Genauer!“ Peter wurde zusehends unruhiger.

In der Nähe hatte ein erschreckter Praktikant den Administrator beobachtet und fragte einen Mitarbeiter: „Was bedeutet Kategorie positiv?“ Gelassen nahm der Mann einen großen Schluck Kaffee und sagte dann: „Es bedeutet bewohntes Gebiet.“

Schon der Einstieg in „Gropus – Die Legende der fünf Steine“ ist eine Wucht. Die Art, wie Tariq Abo Gamra mit wenigen, stakkatoartigen Sätzen Spannung aufbaut, zieht den Leser gleich in den Bann der Handlung. Und diese ist nicht nur typisch für Science Fiction, sondern weicht die Grenzen des Genres auch geschickt auf – in Richtung Coming-of-Age-Roman.

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Tariq Abo Gamras Debüt „Gropus – Die Legende der fünf Steine“ ist am 16. Mai als eBook erschienen

Dass Tariq Abo Gamra dieser Kunstgriff gelingt, liegt an der smarten Wahl des epischen Personals. Abo Gamra, der sein Abitur 2015 in München abgelegt hat, siedelt die Hauptfigur in einer ihm durchaus vertrauten Umgebung an: Nick Oswald, der Held des Romans „Gropus – Die Legende der fünf Steine“ lebt gemeinsam mit seiner Mutter in München. Sein Vater ist seit einigen Jahren tot und Nicks eigenes Leben ist seitdem alles andere als leicht: Seine Mitschüler mobben Nick und seine Mutter muss gleich zwei Jobs machen, um die Familie zu ernähren.

Völlig ändert sich Nicks Leben als – man ahnt es bereits – eines Tages ein unbekanntes Obekt aus dem All auf Nicks Schule stürzt. An der Absturzstelle findet Nick einen Stein, der scheinbar magische Kräfte besitzt: Nick kann sich dank seines Fundstücks nicht nur vor einer Straßengang schützen. Er macht auch bald Bekanntschaft mit einem unheimlichen Wesen, das plötzlich in sein Haus kommt, um ihn zu entführen.

Als Nick wieder zu sich kommt, schwebt er 700 Kilometer über der Erde in einem Raumschiff der Kapari. Er steckt nun mitten in einem kaum fassbaren Abenteuer: Er ist auserwählt, die Galaxie vor einer ungeheuren Gefahr zu retten. Wird es ihm gelingen, seine Schüchternheit zu überwinden und über sich hinaus zu wachsen, um im intergalaktischen Krieg gegen die Schergen des grausamen Gargus zu bestehen?

 
Wer hat „Gropus – Die Legende der fünf Steine“ geschrieben?

Mobbing auf dem Pausenhof, Freundschaft, der Tod des Vaters und eine ständig jobbende Mutter in einem Science Fiction-Roman? Wer den Plot von „Gropus“ das erste Mal liest, dürfte die Stirn runzeln. Tariq Abo Gamra aber interessiert sich wenig für die Konventionen des Science Fiction-Genres. „Mir war es wichtig, dies zu thematisieren, nur um später zu zeigen, wie aus einem Mobbingopfer ein Held werden kann. Die verschiedenen Spezies und Planeten sehe ich als Metapher für kulturelle Vielfalt“, erklärt der 19jährige Münchner, der selbst Sohn einer britischen Mutter und eines ägyptischen Vaters ist, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Und auch sonst kommt Tariq Abo Gamra für einen (angehenden) Romancier überraschend offen und pragmatisch daher. Er kümmert sich nicht nur selbst um Besprechungen seiner Bücher, sondern orientiert sich auch beim Schreiben vor allem an dem, was er selber unter guter Literatur versteht: „Ich glaube, dass man ein guter Beobachter sein muss, wenn man schreiben will. Es ist immer besser, über Dinge zu schreiben, die einem vertraut sind, denn dann ist es authentischer“, lässt sich Tariq Abo Gamra beispielsweise im Gespräch mit dem Jugendportal yaez zitieren.

 

Lohnt es sich, Tariq Abo Gamras Roman „Gropus – Die Legende der fünf Steine“ zu lesen?

Jene gute Literatur, von der Tariq Abo Gamra spricht, zeichnet sich vor allem durch zwei Aspekte aus: Erstens durch eine Handlung, die nicht in Genrekonventionen gefangen ist, sondern gekonnt mit Stilmitteln

Tariq Abo Gamra (19) hat im Mai mit „Gropus“ sein Debüt vorgelegt und arbeitet gerade neben einem Gedichtband auch an der Fortsetzung seines literarischen Erstlings

Tariq Abo Gamra (19) hat im Mai mit „Gropus“ debütiert und arbeitet gerade an der Fortsetzung seines Erstlings

und der Erwartungshaltung des Lesers spielt, um ihn zu überraschen und die Spannung hoch zu halten. Und zweitens durch einen Sprachstil, der der Handlung gerecht wird und es dem Leser möglich macht, einen schnellen Zugang zur Geschichte zu finden.

Tariq Abo Gamra beweist schon mit seinem Debüt, dass er beides beherrscht: Die Art, wie er „Gropus – Die Legende der fünf Steine“ geschrieben hat, ist wohltuend ungekünstelt, lebendig. Und neben dem Sprachstil besticht der Roman vor allem durch sein Setting und die Konfiguration der Figuren. Vor allem Nick Oswald, die Hauptfigur, wurde von Tariq Abo Gamra ideal gezeichnet. Dank diesem – erst vom Leben gezeichneten, doch dann zu ungeahnter Stärke findenden – epischen Heros ist „Gropus – Die Legende der fünf Steine“ eine gelungene Gratwanderung zwischen Science Fiction und Coming-of-Age-Geschichte.

 

„Gropus – Die Legende der fünf Steine“, der Debütroman von Tariq Abo Gamra, ist am 14. Mai als eBook in der Edition kuLAB erschienen und kann hier gekauft werden. Dem Vernehmen nach arbeitet Tariq Abo Gamra zurzeit unter anderem an einem zweiten Teil des Science Fiction-Romans.