Richard Linklaters Kinofilm „Boyhood“ steht nun in den Regalen

Coming-of-Age-Filme haben einen merkwürdigen Ruf. Vor allem der kommerzielle Erfolg des ersten und zweiten Teils von „American Pie“ lassen feinfühligere Filme wie „Into the Wild“ und selbst „Good Will Hunting“ allzu oft vergessen. Dass Coming-of-Age auch anders geht, zeigt Richard Linklater mit „Boyhood“, der seit dem 6. November auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich ist.

boyhood„Boyhood“ vermittelt einen intensiven Eindruck vom Erwachsenwerden

Gerade einmal 2,46 Millionen Euro spielte das von Regisseur Richard Linklaters inzeniserte Drama „Boyhood“ in Deutschland ein. Seit dem Start am 5. Juni gingen nur 295.000 Zuschauer ins Kino, um sich Linklaters Film über die Kindheit des zu Beginn der Handlung sechsjährigen Mason anzusehen. Und doch ist „Boyhood“ ein Film, den man wenigstens auf DVD oder Blu-ray gesehen haben sollte. Nicht etwa, weil die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) „Boyhood“ das Pradikät „Besonders wertvoll“ verlieh, sondern weil das feinfühlige Drama durch seine Handlung und Tonalität aus der Masse der sonst banalen Coming-of-Age-Filme heraussticht.

An „Boyhood“ überzeugt vor allem, dass der Film über einen Zeitraum von zwölf Jahren entstanden ist – mit real alternden Schauspielern. „Boyhood“ kann so – anders als andere Coming-of-Age-Filme – mehr als nur einen Blick in eine bestimmte Lebensphase werfen. Der Film zeichnet vielmehr über 159 Minuten das eindrucksvolle Porträt eines Heranwachsenden – vom sechsten Lebensjahr bis hin zur Aufnahme ins College. Die einzelnen, über die Jahre verteilten Episoden aus dem Leben von Mason und seiner Patchwork-Familie in Texas montiert Linklater dabei zu einer berührenden Coming-of-Age-Geschichte.

Wer spielt mit?

Ellar Coltrane (Fast Food Nation, Halletsville) spielt den jungen Mason, Ethan Hawke (Good Kill, The Purge, Getaway) den älteren. Masons Schwester Samantha wird von Lorelei Linklater (Waking Life, The Substitute) gespielt. Patricia Arquette (Lost Highway, The Badge, Electric Slide) verkörpert ihre Filmmutter.

Vor allem Ellar Coltrane und Lorelei Linklater waren deshalb gut für Hauptrollen in „Boyhood“ geeignet, weil sie vorher keine Erfahrung als Schauspieler hatten. Sie agieren entsprechend authentisch – einen Effekt, den Richard Linklaster noch dadurch verstärkt, dass er sie selber Dialoge schrieben ließ, in denen sie sich und ihr Tun selber reflektieren.


Welches Bonusmaterial haben DVD und Blu-ray?

Von DVD und Blu-ray lässt sich „Boyhood“ wahlweise in Deutsch, Englisch und Türkisch und mit deutschen, englischen und türkischen Untertitel abspielen. Weiteres Bonusmaterial ist leider nicht enthalten.

Lohnt sich der Kauf?

„Boyhood“ ist mehr als eine Coming-of-Age-Geschichte. Richard Linklater ist ein einzigartiger Film gelungen, der zurecht beim Sundance Festival und bei der Berlinale gefeiert wurde. Was für Linklaster einst als Experiment begann, ist ein Meilenstein des Coming-of-Age-Genres und vielleicht sogar der Filmgeschichte geworden.

Der Film kommt leise und ohne Klischee daher und wirkt phasenweise fast schon wie ein diskreter Blick durchs Schlüsselloch fern des Voyeurismus. Jedem, der kleine Kinder in seiner Verwandtschaft hat oder sich filmisch einmal anders mit Aufwaschenden auseinander setzen möchte, sei „Boyhood“ hiermit sehr empfohlen.