Jetzt kommt Hart auf Hart – das neue Buch von T.C. Boyle

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„Ich weiss auch nicht genau, was ich da mache, aber es ist gut”, lässt sich T.C. Boyle auf seiner Homepage zitieren. Und man kommt nicht umhin, dem amerikanischen Autor von Bestsellern wie „Wassermusik“ und „San Miguel“ zuzustimmen. Nun ist sein neues Buch „Hart auf Hart“ erschienen, ein bitterböses Porträt der amerikanischen Unterschicht.

Wer T.C. Boyle liest, muss hart im Nehmen sein. Reihenweise lässt Boyle, der von uns Menschen sagt, wir seien „nichts als dicke, angezogene Affen, die sich gegenseitig den ganzen Tag lang vergewaltigen und umbringen müssen“, seine Figuren scheitern. Schon in „Wassermusik“, dem 1987 erschienenen Debüt von T.C. Boyle, scheitert der schottische Entdecker Mungo Park mehrfach beim Versuch, die Mündung des Niger zu entdecken. Und auch spätere Romanhelden haben es bei T.C. Boyle nicht leicht. In „Der Samurai von Savannah“ gerät beispielsweise ein Halb-Japaner bei der Suche nach seinem amerikanischen Vater in Konflikt mit lokalen Künstlern und den Einwanderungsbehörden während sich in „Wenn das Schlachten vorbei ist“ zwei Fraktionen von Umweltschützern einen erbitterten Kampf auf den Channel Islands liefern.

Seinem Faible für gescheiterte Existenzen und seinem Hang zu einem enorm realistischen Stil bleibt T.C. Boyle, der mit Romanen wie „Wassermusik“, „World’s End“ und zuletzt „San Miguel“ die Fahne des amerikanischen historischen Romans hochhält, auch bei seinem neuen Roman „Hart auf Hart“ treu. „Hart auf Hart“ ist ein großes Buch geworden, das sich zum Amerika-Roman weitet.

 

Wovon handelt „Hart auf Hart“ von T.C. Boyle?

„Adam“ heißt die Hauptfigur von T.C. Boyles neuem Roman „Hart auf Hart“ – und sie ist, wie könnte es bei Boyle auch anders sein, gezeichnet vom Leben. Am amerikanischen Schulsystem und in mehreren Therapien gescheitert, lebt Adam – verstoßen von seinen vom Vietnamkrieg geprägten Eltern – mitten in der amerikanischen Wildnis. Schon seit jungen Jahren leidet Adam unter Verfolgungswahn und ist nun vollends zur tickenden Zeitbombe mutiert. Sein Einsiedlerleben teilt er nur mit Waffen, deren Arsenal er immer weiter aufstockt, um sich gegen seine imaginären Feinde, Chinesen und Aliens, wehren zu können.

„Hart auf Hart“, das neue Buch von T.C. Boyle, weitet sich zum großen Amerika-Roman

„Hart auf Hart“, das neue Buch von T.C. Boyle, weitet sich zum großen Amerika-Roman

Bewegung gerät erst in Adams Leben, als er zufällig Sara begegnet, die ihn am Straßenrand aufgabelt. Auch Sara ist – ganz boyle-like – vom Leben gezeichnet und irgendwie gaga. Das Spießertum, die Globalisierung, Verschwörungen und die Staatsgewalt – es gibt kaum ein Feindbild, das Sara nicht mit sich herumträgt. Die beiden scheinen wie für einander geschaffen. Doch Boyle wäre nicht Boyle, wenn Beziehungen glücklich verlaufen: Sara merkt sehr bald, dass Adams es ernst mit seinen Feinden meint, sehr ernst sogar.

 

Lohnt es sich, „Hart auf Hart“ von T.C. Boyle zu lesen?

Mit „Hart auf Hart“ kehrt T.C. Boyle zu jener alten Stärke zurück, die einige Kritiker schon für verloren hielten. Auf 400 Seiten erzählt Boyle nicht nur die Geschichte von Adam und Sara, sondern malt in eienm stets plaudernden, angenehmen Ton auch das Portät einer Gesellschaft zwischen Freiheitsliebe und Verfolgswahn.

Vom Vietnamkrieg und dem Umgang mit Veteranen über das vermurkste Schulsystem bis hin zum Glauben an Aliens, Verschwörungen und zur Waffenvernarrtheit der Amerikaner lässt T.C. Boyle kaum ein gängiges Klischee von Amerika aus und umschifft doch jedes Stereotyp gekonnt. „Hart auf Hart“ wird so zu einem rundum gelungenen Roman, den man nicht aus der Hand legen möchte und gerne noch ein zweites oder drittes Mal lesen will.

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