Neues Buch von Blumfeld-Frontman Jochen Distelmeyer: Otis

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„Otis“ ist erschienen. Der erste Roman von Blumfeld-Frontman Jochen Distelmeyer. Auf fast 290 Seiten zeichnet Jochen Distelmeyer in „Otis“ das Leben von Tristan Funke nach, der im Februar 2012 in Berlin auf der Suche nach einem Verlag ist, bei dem er seinen literarichen Erstling veröffentlichen will. „Otis“ ist aber keinesfalls keinesfalls biographisch geprägt, sondern voller Metaphern und Chiffren. Ein Buch für Intellektuelle.

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Mit „Otis“ legt Blumfeld-Frontman Jochen Distelmeyer seinen ersten Roman vor

Sven Regener dürfte das nicht gefallen. Es führt aber kein Weg daran vorbei, den Sänger und Texter der Berliner Rockband „Element of Crime“ in einem Atemzug mit Trini Trimpop, Frank Spilker oder Rocko Schamoni zu nennen. Mit seinem 2001 veröffentlichten Debütroman „Herr Lehmann“ begründete Sven Regener eine Tradition von deutschsprachigen Rockmusikern, die zur Feder greifen, um nicht nur Lieder, sondern ganze Bücher zu schreiben. Mit „Otis“ reiht sich nun auch Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer in diese Gruppe ein.

Jochen Distelmeyers Debütroman „Otis“ ist vor wenigen Tagen im Rowohlt-Verlag erschienen und wirft auf 288 Seiten mehr Fragen auf als sie zu beantworten. Spiegel Online-Redakteur Sebastian Hammelehle nannte „Otis“ in seiner Rezension deshalb schon ein „verunglücktes Debüt“. Doch wird dieses Urteil dem neuen Roman von Jochen Distelmeyer wirklich gerecht?

 

Wovon handelt Jochen Distelmeyers Roman „Otis“?

Wer „Otis“ liest, muss sich, soviel wird schon nach wenigen Seiten klar, auf die gleiche Sinnsuche begeben, auf die auch Blumfeld seine Fans bis zur Auflösung der Band im Jahr 2007 immer geschickt hat. Nur auf den ersten Blick hat Jochen Distelmeyer die Handlung seines Romans im realen Hier und Jetzt verortet.

Otis-Cover„Otis“ spielt im Berlin des Februars 2012. Christian Wulff ist gerade als Bundespräsident gestürzt und wird bald von Joachim Gauck beerbt. Femem-Aktivistinnen sorgen in Davos für Aufsehen und George Clooney plagen Schlafprobleme. Besser geht es auch Tristan Funke nicht, dem Helden in Jochen Distelmeyers Roman. Tristan Funke ist erst vor kurzem nach Berlin gezogen, um seine alte Liebe zu vergessen und ein Buch zu schreiben, mit dem er seine Vergangenheit, seine eigene kleine Odyssee, verarbeiten möchte.

Vor der Kulisse des Frühjahrs 2012 und Berlins schildert Jochen Distelmeyer in „Otis“ den Versuch von Tristan Funke, in Berlin und wieder bei sich selbst anzukommen. Es sind Begegnungen wie die mit der Fotografin Leslie, mit der Schauspielerin Stella oder mit Tristans Cousine Juliane, die seine Suche und sein Schwanken zwischen unbändiger Feierfreude, dem Leben „auf Pump“ und der Hoffnung auf den Durchbruch als Romacier prägen. Wie soll es Tristan gelingen, seinen möglicher Weise neuen Verleger Zaller für sich zu gewinnen, wenn er gleichzeitig Abschied von seinem Musikerfreund Ole nehmen muss, der mit seiner Familie nach New York aufbricht? Bei einer letzten großen Party in der Gypsy Bar treffen Vergangenheit und Zukunft, Tristan und seine Geliebten auf einander.

 

Wer hat den Roman „Otis“ geschrieben?

„Otis“ ist der Debütroman von Jochen Distelmeyer, der 1990 die Hamburger Popband Blumfeld gegründet und bis zur Auflösung im Jahr 2007 ihr Texter, Sänger und Frontman gewesen ist. Und wie bei kaum einem anderen Roman ist es wichtig, die Identität des Autoren zu kennen, um „Otis“ verstehen zu können.

Das „disparate, ästhetisch Bruchstückhafte“, das Sebastian Hammelehle bei Spiegel Online dem Roman vorwirft, ist genauso typisch für Jochen Distelmeyer wie dessen Weigerung, Deutungen mitzuliefern oder Interpretationsangebote zu machen.

Die Stärke von Jochen Distelmeyer war es nie, Klartext zu sprechen und Dinge beim Namen zu nennen. Seine Texte bei Blumfeld und auch sein Roman „Otis“ beziehen ihre Kraft daher, dass sie voller bunter, schillernder Metaphern und Analogien sind. Jochen Distelmeyer zwingt den Leser so, mitzudenken und einen Blick hinter die Oberfläche des Erzählten zu werfen.

 

Lohnt es, sich „Otis“ zu lesen?

„Otis“ ist ein intellektueller Roman, der dem Leser viel abverlangt. Wem es nach leichter Unterhaltung dürstet, der sollte die Finger von Jochen Distelmeyers Roman lassen, um nicht ähnlich enttäuscht zu sein wie Sebastian Hammelehle. „Otis“ ist in erster Linie ein Roman, mit dem Distelmeyer durch dünne Dialoge die Sprachlosigkeit und durch Tristan Funkes fahrigen Lebensstil die Orientierungslosigkeit unserer Zeit versinnbildlicht. Die oft verlachte Frage „Was hat der Autor uns damit sagen wollen?“ ist bei Jochen Distelmeyers Debütroman „Otis“ berechtigt wie nie.

 

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