Simon André Kledtke debütiert mit dem Fantasy-Buch „Sarania – Das Vermächtnis der Magier“

Fantasy hat in der deutschen Literatur eine lange Tradition. Otfried Preußler und natürlich Wolfgang Hohlbein haben mit Büchern wie „Krabat“ beziehungsweise „Midgard“ oder „Thor“ Weltruhm erlangt. Radikal gedacht, könnte man sogar die Brüder Grimm unter „Fantasy“ einstufen. Nun hat Deutschland mit Simon André Kledtke einen neuen Fantasy-Autoren. Sein Erstling ist bereits 2013 erschienen und wurde bislang kaum beachtet. Zurecht?


 

Literatur ist nie wirklich einfach – weder für den Leser, noch für den Autoren. So ist es auch mit Simon André Kledtkes „Sarania – Das Vermächtnis der Magier“. Es ist der erste Roman aus der Feder von Kledtke. Und das merkt man „Sarania“ auch an. Tappsend, suchend, fast ein wenig unbeholfen schreibt Kledtke. Leseprobe gefällig?

Die vier Männer ritten mit atemberaubender Geschwindigkeit. Ihre purpurfarbenen Umhänge flatterten im Wind, der durch die Nacht heulte. Während sie ihre schwarzen Pferde vorwärts trieben, warfen sie immer wieder nervöse Blicke über die Schulter; einzig und allein der fahle Vollmond spendete Licht und erhellte den lehmigen Waldweg. Plötzlich gabelte sich der Pfad. Der erste Reiter zog die Zügel und hielt seinen Hengst an, der aufgeregt schnaubte. Die anderen taten es ihm nach, sie alle wirkten angespannt. „Was ist los?“, fragte einer der Soldaten und hielt sein Pferd dazu an, neben das des Hauptmanns zu traben.

Es ist der Stil eines Autoren, der noch leicht unbeholfen scheint, mit der Sprache noch nicht im Einklang ist und sich deshalb mit einigen, sperrigen Formulierungen selbst im Weg steht. Und doch wäre es weit verfehlt, Kledtke mangelndes Talent zu unterstellen. Die saraniaLiteraturgeschichte ist voll von Büchern, die sich sprachlich zunächst dem Leser verschließen: Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ ist ein Beispiel, Franz Kafkas gesamtes Werk ein anderes.

Sicher könnte man an dieser Stelle den Vergleich zwischen „E“ und „U“, zwischen erhabener und unterhaltsamer Literatur anstellen. Doch würde dieser Vergleich nur den Blick auf das eigentliche Wesen von Literatur verstellen: Das Buch ist genauso wie der Film eine Kunstform, mit der fiktive Welten erschaffen und zum Leben erweckt werden. Simon André Kledtke beherrscht diese Kunst.

 

Wovon handelt das Buch?

Die von Kledtke geschaffene Welt ist das alte Königreich „Sarania“, das im Chaos zu versinken droht. Ein mächtiger Hexenmeister streckt seine Hand aus und versucht, die verheerten Länder in seine Gewalt zu bringen. Diese Welt der Finsternis und des Umbruchs erlebt der Leser durch die Augen des fünfzehnjährigen Schmiedesohns Benalir.

Über Nacht wird er aus seinem behüteten Leben gerissen und taucht ein in eine Welt voller Abenteur und Gefahr. An der Seite von Elfen und Magier stellt Benalir sich seinem Schicksal entgegen. Beim Versuch, das drohende Verhängnis abzuwenden, merken sie bald, dass der Hexenmeister noch viel mächtiger ist als sie dachten.

 

Wer hat das Buch geschrieben?

Die Art, wie detailreich und lebensnah Simon André Kledtke die Welt von „Sarania“ erschafft und wie er die Reise von Benalir und seinen ungleichen Gefährten schildert, machen aus seinem Debütroman ein wirklich lesenswertes, spannungsreiches Buch. Beim Lesen von „Sarania – Das Vermächtnis der Magier“ wird schnell klar, dass Kledtke zumindest das kreative Zeug zum großen Geschichtenerzähler hat.

Hier schreibt ein Autor, der seinen Stil noch nicht gefunden haben mag, der aber getrieben ist vom Wunsch, fantastische Welten zu entwerfen und zum Leben zu erwecken. Nicht zufällig hat Kledtke schon während der Schulzeit erste, noch (?) unveröffentlichte Geschichten geschrieben und sein Lehramtsstudium nach wenigen Semestern abgebrochen, um künftig nur noch zu schreiben.

 

Lohnt sich der Kauf des Buchs?

„Sarania – Das Vermächtnis der Magier“ ist alles andere als ein Buch für Sprachästheten. Kledtkes Debütroman hat vor allem stoffliche Qualitäten. Hat man sich erst einmal auf seinen stets leicht verqueren Stil eingelassen, eröffnet das Buch dem Leser eine mit viel Liebe zum Detail und Kreativität geschaffene Fantasy-Welt. Es ist unterhaltsam, den Kampf des Schmiedejungen Benalir und seiner magischen Weggefährten gegen die dunklen Mächte des Hexenmeisters mitzuerleben.

Man hätte sich aber gewünscht, dass der UB-Verlag in ein besseres, umfassenderes Lektorat investiert hätte. So ist Kledtkes Fantasy-Roman nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein erster Schritt auf dem Weg dahin, dass der 23jährige vielleicht irgendwann einmal in einem Atemzug mit Otfried Preußler und Wolfgang Hohlbein genannt wird. Ob es ihm gelingt, den zweiten Schritt zu gehen, bleibt abzuwarten. An Band 2 der „Sarania“-Reihe schreibt Kledtke – dem Vernehmen nach – bereits.