„Jäger“, der erste Roman von Star-Autor James Salter, ist nun erstmals auch in deutscher Sprache erschienen

Wer sich nicht nur mit Unterhaltungsliteratur, sondern auch mit stilistisch anspruchsvolleren Werken beschäftigt, kommt um James Salter nicht umhin. Mit Büchern wie „In der Wand“, „Cassada“ oder „Alles, was ist“ hat sich Salter fest in der Champions League der Literaten etabliert. Nun ist sein Debütroman „Jäger“ erstmals in deutscher Sprache erschienen.

2007, als Angela Drescher Werner Bräunigs Roman „Rummelplatz“ im Aufbau-Verlag herausgab, kam die Veröffentlichung des Buchs einer Sensation gleich: Nie zuvor war der biographisch geprägte Deutschland-Roman über die Anfänge der Wismut AG und der beiden deutschen Staaten vollständig erschienen und Werner Bräunig, sein Autor, war – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buchs bereits seit 31 Jahren tot  – längst in Vergessenheit geraten. Angela Drescher hatte es geschafft, ein einzigartiges, von den DDR-Oberen Jahrzehnte lang zensiertes Werk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Eine ähnliche Sensation stellt James Salters Debütroman „Jäger“ dar, dessen von Beatrice Howeg übersetzte deutsche Fassung nun erstmals überhaupt im Berlin Verlag erschienen ist – 57 Jahre nach der Publikation des englischen Originals „The Hunter“. Natürlich hat der 1925 in New York geborene James Salter als Autor von Romanen wie „Ein Spiel und ein Zeitvertreib“, „In der Wand“, „Cassada“ oder „Alles, was ist“ inzwischen längst salterjaegerBekanntheit als stilbildender Romancier erlangt. Sein erster Roman „Jäger“ nimmt aber dennoch eine bedeutende Position ein: Das Buch ist nicht weniger als der literarische Schlüssel zum Verständnis von James Salters Gesamtwerk und hat insofern literaturgeschichtliche Bedeutung.

James Salters literarischer Erstling, nach dessen Veröffentlichung er den Dienst als Kampfpilot der US Air Force quittierte und sich ganz dem Schreiben widmete, punktet weniger durch seinen Inhalt. Der Plot von „Jäger“ ist schnell erzählt: Der Roman ist autobiographisch. Mit ihm verarbeitet Salter seine eigenen Erfahrungen im Koreakrieg. Während auf dem Boden ein schwerer Bürgerkrieg tobt, wetteifern die Piloten in der Luft um die begehrten „fünf Kills“ – den endgültigen Nachweis dafür, dass sie ein „Ass“ sind. Viel Raum findet das Innenleben der Piloten, die zerrissen sind zwischen der unbedingten Pflicht, für die Sicherheit ihrer Kameraden zu sorgen, und ihrer Waghalsigkeit, die nötig ist, um den Feind zu eliminieren. Dieser Zwiespalt droht Cleve Connel, die Hauptfigur von „Jäger“, zu zerstören.

All das wurde schon vor und auch nach der Erstveröffentlichung von „The Hunter“ bereits in unzähligen Filmen und Büchern erzählt. Der Krieg und die Fliegerei scheinen als Stoff nahezu prädestiniert zu sein. Und auch das Innenleben von Soldaten hat spätestens seit Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ seinen Platz in der Weltliteratur gefunden.

Seinen literarischen Stellenwert bezieht James Salters Debütroman so nicht aus dem, wovon er handelt, sondern daraus, wie, also mit welchen literarischen Stilmitteln Salter seine eigene Geschichte erzählt. An dem Buch fasziniert, wie sich in ihm die Geburt eines großen Autoren ankündigt. „Jäger“ beinhaltet all jene Stilmittel, die Salter in späteren Romanen perfektioniert und mit denen er seinen Ruf als stilistisch maßgebender Buchautor begründet hat.

Salter gelingt es schon in seinem ersten Roman, die Tugenden eines Piloten literarisch zu übersetzen: „Jäger“ lebt sprachlich von einer ungeheuren, so selten gesehenen Sprachökonomie, von pointierten, messerscharfen Sätzen und Beobachtungen, die fast ohne Effekte auskommen und dem Leser durch ihre sprachliche Dichtheit ein eindrückliches Bild vermitteln – von den Wahrnehmungen des Protagonisten genauso wie von dessen Seelenleben. Es ist dieser Stil, der „Jäger“ zu einem absolut lesenswerten, herausragenden Buch macht.