Til Schweiger kehrt mit der bewegenden Alzheimer-Komödie „Honig im Kopf“ zurück ins Kino

Emma Tiger Schweiger und Dieter Hallervorden spielen die Hauptrollen in Til Schweigers neuem Film „Honig im Kopf“

Kaum ein Schauspieler und Regisseur spaltet die Nation so wie Til Schweiger – von den einen wird er auf das immer gleiche Gesicht reduziert, von den anderen seiner Filme wegen verehrt. Nun kehrt Til Schweiger wieder zurück ins Kino. Sein neuer Film „Honig im Kopf“ startet am Donnerstag.

Emma Tiger Schweiger und Dieter Hallervorden spielen die Hauptrollen in Til Schweigers neuem Film „Honig im Kopf“

Emma Tiger Schweiger und Dieter Hallervorden spielen die Hauptrollen in Til Schweigers neuem Film „Honig im Kopf“

2009, als der Frankfurter Publizist Tilman Jens die Alzheimer-Krankheit seines Vaters Walter Jens in seinem Buch „Demenz: Abschied von meinem Vater“ thematisierte, brach ein Sturm der Empörung über ihn herein. Öffentlich wurde ihm, so wie von Iris Radisch in „Die Zeit“, vorgeworfen, er würde „seinen an Demenz erkrankten, wehrlosen Vater“, den großen Philosophen Walter Jens, denunzieren. Jens hatte – wie kürzlich mit der Herausgabe des Buchs „Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle“ – ein Tabu gebrochen.

Til Schweiger greift dieses Thema nun auf. Zwar nimmt er mit seinem Film „Honig im Kopf“ keinen direkten Brzug auf den Konflikt um Tilman und Walter Jens. Das Verhältnis der Protagonisten von Til Schweigers Komödie „Honig im Kopf“ weist aber doch deutlich Parallelen zur Familie Jens auf.

 

Wovon handelt der Film?

Nicht Tilman, sondern Niko (Til Schweiger) heißt der Sohn in Schweigers Komödie „Honig im Kopf“. Sein Vater Amandus (Dieter Hallervorden) ist an Alzheimer erkrankt. Besorgt verfolgt die Familie wie ihr Oberhaupt mehr und mehr seine Erinnerungen verliert, bis sich Amandus nur noch an einen Moment seines Lebens erinnern kann: Vor Jahrzehnten hat der frühere Tierarzt seine Frau bei einem Aufenthalt in Venedig kennengelernt.

Die elfjährige Tilda (Emma Tiger Schweiger) bringen die Eräzhlungen ihres Großvaters auf eine Idee: Sie fürchtet schon lange, ihr Opa könnte ins Heim abgeschoben werden. Um seinen Erinnerungen wieder auf die Sprünge zu helfen, büchst sie aus und macht sich mit Amandus auf den Weg nach Venedig. Ihre Eltern heften sich an ihre Fersen und erleben dabei selbst ein Abenteuer.

 

Wer spielt im Film mit?

Wenn Til Schweiger anruft, lassen sich die Stars des deutschen Films nicht lange bitten. So war es bei „Barfuß“, „Keinohrhasen“, „Kokowääh“ und so ist es auch bei „Honig im Kopf“. Dieter Hallevorden übernimmt die männliche Hauptrolle des demenzkranken Amandus, Schweigers Tochter Emma Tiger Schweiger die weibliche Hauptrolle der elfjährigen Enkelin Tilda. Ihre Eltern, Nick und Sarah, werden von Til Schweiger und Jeanette Hain verkörpert. Auch die Nebenrollen sind prominent besetzt: Jan Josef Liefers spielt den Serge, Katharina Thalbach die Vivian und Fahri Yardim den Erdal.

 

Wer hat den Film inszeniert?

Til Schweiger ist ein Mensch, der nicht gerne die Fäden aus der Hand gibt. An der Produktion von „Honig im Kopf“ war Schweiger deshalb gleich an vier Stellen federführend beteiligt: Til Schweiger spielt eine der Hauptrollen. Til Schweiger hat das Drehbuch zu „Honig im Kopf“ geschrieben. Til Schweiger hat den Film zusammen mit seinem langjährigen Geschäftspartner Tom Zickler produziert. Und Til Schweiger hat „Honig im Kopf“ gemeinsam mit Constantin von Seld geschnitten.

Auf den ersten Blick wirkt es da fast schon etwas merkwürdig, dass es Departments gibt, die Til Schweiger operativ nicht direkt selbst übernommen hat: Die Filmmusik stammt beispielsweise von Martin Todscharow, der auch schon den Soundtrack zu „Vaterfreuden“ und den Tatort-Episoden „Willkommen in Hamburg“ und „Kopfgeld“ komponiert hat – Schweigers ersten beiden Tatort-Auftritten.

Kameramann ist mit Martin Schlecht übrigens ein anderer Weggefährte von Til Schweiger: Schlecht führte schon bei der schon von Schweiger und Zickler produzierten Komödie „Großstadtklein“ (Regie: Tobias Wiemann) die Kamera.

 

Lohnt sich der Kinobesuch?

Schweigers Treue zu alten Weggefährten und seine Eigenart, möglichst alle Fäden selbst in der Hand zu halten, mutet auf den ersten Blick immer wieder aufs Neue komisch an. Sepp Herberger wusste aber schon: „Entscheidend ist auf dem Platz“. Und hier punktet auch Til Schweigers neuer Film durch eine Mischung aus der dem schwierigen Thema Alzheimer angemessenen Sentimentalität und gutem, massentauglichen Humor.

Mit „Honig im Kopf“ knüpft Til Schweiger nahtlos an Erfolge wie „Keinohrhasen“ oder „Kokowääh“ an. Er unterstreicht erneut, dass es in Deutschland – abgesehen vielleicht von Matthias Schweighöfer – zurzeit keinen anderen Film-Macher gibt, der ähnlich stark auf Erfolg abonniert ist.