Max Linz persifliert in seiner Komödie „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ die Film- und Medienbranche

Sarah Ralfs spielt in Max Linz' Komödie „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ die Kuratorin Asta Andersen

Max Linz hat Filmwissenschaft in Berlin und Paris studiert, ist Absolvent der DFFB und er ist vor allem eines: wütend auf die Filmwirtschaft. In seinem Debüt-Film „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ (Kinostart: 8. Januar 2015) rechnet Max Linz mit der (Berliner) Kunst- und Kreativszene ab.

Sarah Ralfs spielt in Max Linz' Komödie „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ die Kuratorin Asta Andersen

Sarah Ralfs spielt in Max Linz‘ Komödie „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ die Kuratorin Asta Andersen

Woran macht man die Qualität eines Films fest? Sind es der Regisseur, seine Crew und sein Cast, die einen Film besonders sehenswert machen? Ist es die Handlung des Films? Sind es die nackten Verkaufszahlen an der Kinokasse? Oder ist es die Botschaft, die ein Film transportiert – sein Potential also, Zuschauer zum Nachdenken anzuregen und bestenfalls Diskussionen innerhalb der Gesellschaft oder eines bestimmten sozialen Zirkels anzustoßen?

Diese scheinbar alles entscheidende Frage stellt sich häufiger, wenn man sich eingehender mit Filmen beschäftigt und versucht, sie für seine Leser möglichst objektiv zu besprechen. Manchmal bleibt man als kritischer Zuschauer weitgehend ratlos zurück. So ist es auch mit Max Linz’ Film „Ich will mich nicht künstlich aufregen“, der am 8. Januar in den Kinos startet. Dieser Text ist keine Rezension. Dieser Text ist der Versuch einer Annäherung an einen mit klassischen Maßstäben äußerst schwer zu fassenden Film.

Als ich vor inzwischen 36 Posts begonnen habe, diesen Blog zu schreiben, hatte ich mir vorgenommen, Kunst – egal ob Film oder Buch – nach dem immer gleichen inhaltlichen Muster vorzustellen: Eine Einleitung, dann Antworten auf die Fragen „Wovon handelt der Film bzw. das Buch?“, „Wer spielt im Film mit“?, „Wer hat den Film inszeniert?“ bzw. „Wer hat das Buch geschrieben?“ und schließlich „Lohnt sich der Kinobesuch?“ bzw. „Lohnt sich der Kauf des Buchs“? Auf diese Weise wollte ich eine bestimmte Vergleichbarkeit im enzyklopädischen Sinne erreichen.

Bei Max Linz’ neuem Film „Ich will mich nicht künstlich aufregen“, der im Februar 2014 bei der Berlinale seine Premiere feierte, frage ich mich zum ersten Mal, ob es der Kunst wirklich gerecht wird, sie in solche vorgefertigen, auf dem virtuellen Reißbrett entworfenen Schablonen zu pressen, oder ob hierdurch nicht etwas Grundlegendes verloren geht. Andererseits soll hier nun nicht der Eindruck entstehen, Max Linz’ Film „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ könnte keine Antworten auf diese Fragen geben. Es ist recht einfach, ihn nach dem vorgefertigen Muster zu besprechen. Vielleicht zu einfach? Entscheidet selber!

 

Wovon handelt der Film?

Max Linz hat die Handlung seines Experimental-Films „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ in Berlin angesiedelt, genauer in der Berliner Kunst- und Medienszene. Als Heldin hält die Berliner Kuratorin Asta Andersen (Sarah Ralfs) her. Asta – in Berlin duzen sich traditionell alle Kunst- und Medienschaffenden – plant, eine Ausstellung unter dem Titel „Das Kino. Das Kunst“ ins Leben zu rufen.

Zu Beginn der Filmhandlung ist Asta seit Jahren in der Szene unterwegs und sollte es deshalb eigentlich nicht allzu schwer haben, unter den Berliner Intellektuellen die nötigen Geldgeber und Unterstützer für ihr Projekt zu finden.

Doch dann passiert Asta, die ja eigentlich alle Tricks der Kulturszene auf Lager haben sollte, ein folgenschwerer Fehler: Sie kritisiert die Produktionsbedingungen von Filmen in Deutschland und stößt damit ihre Geldgeber vor den Kopf. Ohne das nötige Kapital droht Astas Projekt zu scheitern. Nun muss sich die Geschäftsfrau und Kunstliebhaberin etwas Neues überlegen. Wie ein deus ex machina kommt ihr da ihr indischer Freund (Waris Singh) vor, der gerade wieder zu Besuch ist.

 

Wer spielt im Film mit?

Eigentlich taucht in dieser Rubrik in jeder Film-Besprechung wenigstens an einer Stelle das Wort „Cast“ auf, doch bei Max Linz’ Film „Ich will mich nicht künstlich“ greift dieser Begriff ins Leere. Linz hält dem Berliner und deutschen Kulturbetrieb nicht nur durch die erzähte Handlung einen Spiegel vor. Er bricht auch, was die Wahl der Schauspieler betrifft, bewusst mit Konventionen: Einen Caster sucht man in seiner Crew vergeblich.

„Statt eines Castings gab es Begegnungen, die es nahelegen, dass wir etwas zusammen machen“, erklärte Linz sein Konzept der Schauspieler-Wahl im Februar 2014 gegenüber Tagesspiegel-Redakteurin Deike Diening. Ihm ginge es darum, „hegemoniale Darstellungsnormen zu verunsichern“.

So kommt Max Linz’ „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ fast ohne aus Film und Fernsehen bekannte Gesichter aus. Einzig Hannelore Hoger, die im Film die „Dagmar Andersen“ spielt, war einem breiten Publikum schon vorher als „Bella Block“ bekannt.

Mit Sarah Ralfs als Asta Andersen, Pushpendra Singh als ihr indischer Freund Waris Singh und René Schappach als René Rausch hat Max Linz die übrigen Hauptrollen seines Films „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ hingegen mit zuvor unbekannten Darstellern besetzt.

Vor allem Sarah Ralfs kann dabei als echte Entdeckung gelten. Als stets perfekt frisierte, piekfein kostümierte Kuratorin, der in einem Radiointerview ein Fauxpas unterläuft und die fortan um die Finanzierung ihrer Ausstellung kämpft, gibt Sarah Ralfs eine grundsolide Vorstellung ab.

 

Wer hat den Film inszeniert?

„Ich will mich nicht künstlich aufregen“ ist mehr als der Debütfilm von Regisseur und Drehbuchautor Max Linz. Linz handelt aus Überzeugung. „Jeder Film ist schon durch die Art, wie er gemacht wird, politisch. Die Möglichkeit, nicht politisch zu sein, gibt es nicht“, erklärt Max Linz im oben verlinkten Tagesspiegel-Interview.

„Wütend“ von seinen während des Filmwissenschafts-Studiums an der Freien Universität in Berlin und an der Sorbonne in Paris gemachten Erfahrungen und geprägt von seiner Zeit an der Berliner Filmakademie DFFB, gab es für Max Linz keine andere Möglichkeit, als mit „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ einen Film zu produzieren, der hart ins Gericht mit der deutschen Medien- und Kulturszene geht.

 

Lohnt sich der Kinobesuch?

Diese Frage lässt sich – um auf die Einleitung dieses Posts zurückzukommen – am schwersten beantworten. Max Linz hat mit „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ keine gewöhnliche Komödie im Stile eines Matthias Schweighöfers oder Til Schweigers geschaffen. „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ ist weder Popcorn- noch Arthouse-Kino, sondern viel mehr eine Einladung zur Diskussion und Selbsthinterfragung an alle Medien- und Kulturschaffenden.

Natürlich kann man sich den Film auch dann ansehen, wenn man sich außerhalb dieser Sphäre bewegt. Ich persönlich bezweifle aber, ob „Ich will mich nicht künstlich aufregen“ auch dann funktioniert, wenn man als Zuschauer die persiflierten Codes und Typen nicht erkennt. Max Linz‘ Komödie ist ein wichtiger Film, aber sie ist kein Film für die breite Masse.

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