Christopher Nolans neuer Film „Interstellar“ entführt den Zuschauer auf eine Gratwanderung zwischen Weltraumschrott und großartigen Effekten

Viel wurde im Vorhinein über Christopher Nolans neuen Weltraum-Film „Interstellar“ gesprochen, der am 6. November in Deutschland und einen Tag später in den USA im Kino gestartet ist und sich vermutlich binnen weniger Tage weltweit zum Kinoerfolg mausern wird. Grund genug für mich, den Abend im Kino zu verbringen und für Euch einen Blick auf Nolans neuen Film zu werfen.

interstellar

Christopher Nolans „Interstellar“ ist ein Film der großen Bilder

165 Millionen Dollar haben sich Paramount Pictures und Warner Bros. die Produktion von Christopher Nolans neuem Kinofilm kosten lassen. Mit „Interstellar“ kehrt der Meister des Mainstreams (Inception, Dark Knight-Trilogie) zurück auf die Leinwand. Der Zuschauer trifft auf ein Star-Ensemble rund um Matthew McConaughey sowie Anne Hathaway Jesssica und doch ist „Interstellar“ eine filmische Gratwanderung zwischen Weltraumschrott und großartigen Effekten.

Minuspunkte erhält der Film von mir nicht wegen seines Settings: Die Handlung spielt in nicht allzu ferner Zukunft. Die Welt ist Opfer verheerender Ernteverluste und die Ernährung der Menschheit wird durch häufige und immer stärkere Staubstürme gefährdet.

Die Regierungen müssen handeln und so stellt die NASA ein Team aus Forschern rund um den NASA-Piloten Cooper zusammen, dessen geheimes Projekt eine heikle Mission ist: Durch ein Wurmloch werden Astronauten in entfernte Galaxien geschickt, um in den Tiefen des Alls nach einem neuen Planeten zu suchen, auf dem sich die Menschheit ansiedeln kann.  So beginnt eine Reise durch Raum und Zeit.

Wer spielt mit?

Getragen wird Christopher Nolans Weltraumfilm von zahlreichen, hochkarätigen Schauspielern: Matthew McConaughey (The Wedding Planer, Der Mandant, Dallas Buyer Club), Anne Hathaway (Plötzlich Prinzessin, Brokeback Mountain, Zwei an einem Tag), Ellen Burstyn (Nächstes Jahr, selbe Zeit, Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern, Wicker Man), Mackenzie Foy (Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht, Conjuring – Die Heimsuchung) und John Lithgow zählen zum Hauptcast. Zusammen blicken die fünf Mimen auf nicht weniger als 345 Filme zurück und harmonieren in „Interstellar“ gut miteinander.

In weiteren Rollen wissen auch Wes Bentley und Andrew Borba zu überzeugen, die Cineasten aus Filmen wie „Die Tribute von Panem“ (Bentley) beziehungsweise „Lieber Verliebt“ (Bebra) kennen. William Devane, der einst durch Alfred Hitchcocks letzten Film „Familiengrab“ bekannt wurde und seit Mitte der 1980er Jahre fast ausschließlich in Fernsehproduktionen zu sehen ist, spielt in „Interstellar“ endlich wieder in einem Kinofilm mit.

Wer hat’s inszeniert?

„Interstellar“ ist ein Film von Christopher Nolan. Nicht nur in Hollywood, sondern weltweit hat sich Nolan als Regisseur von Filmen wie „The Dark Knight“ und „Inception“ einen Namen gemacht. In „Interstellar“ widmet Nolan sich wieder seiner filmischen Lieblingskomponente: dem Spiel mit der Zeit. Angesichts des Budgets in Höhe von 165 Millionen Dollar kann Nolan aus dem Vollen schöpfen: Fremde Planeten, Wurmlöcher, String- und Relativitätstheorie nutzen Nolan und seine Crew virtuos, um auf der Leinwand ein wahres Feuerwerk an atemberaubenden Effekten abzubrennen.

Die zahlreichen Effekte und das solide Spiel der Darsteller können aber nicht davon ablenken, dass die Handlung eher filmisches Mittelmaß ist. So gut die Grundidee des von Christopher und Jonathan Nolan geschriebenen Drehbuchs ist, so krampfhaft wirkt dessen Umsetzung im Detail. Gleich zwei Vater-Tochter-Beziehungen haben die Nolans ins Drehbuch gezwungen und stellen – wieso kommt einem das eigentlich so verdammt bekannt vor? – am Ende einen Mann vor die Herausforderung, sich für seine Liebe oder die Rettung der Menschheit zu entscheiden. Bei so viel Melodram gerät „Interstellar“ zu einer 169 Minuten langen Gratwanderung zwischen atemberaubenden Effekten und – leider – sehr, sehr pomadiger Gefühlsduselei.

Lohnt sich der Kinobesuch?

Das ganz große künstlerische Meisterstück ist Christopher Nolan mit „Interstellar“ nicht gelungen. Darüber können weder die vom Verleih angeworfene Marketing-Maschinerie noch die doch zahlreichen positiven Besprechungen des Films in sonst oft und zu Recht meinungsbildenden Medien hinweg täuschen. Die Messlatte, die Filme wie „Armageddon“, „Gravity“ und „Inception“ gesetzt haben, ist aber mittlerweile auch enorm hoch.

Der Gang ins Kino lohnt sich für all jene, denen die Story weniger, atemberaubende Effekte hingegen sehr wichtig sind: „Interstellar“ birgt neben überzeugend spielenden Schauspielern einige Wow-Effekte und ist auch sonst sehr hochwertig produziert. Nicht zufällig spielte Nolans Science-Fiction-Streifen in den USA gleich am Startwochenende 17 Millionen Dollar ein. Aber das sind immer noch gut 4 Millionen Dollar weniger als beim Start von Nolans bislang größtem kommerziellen Erfolg „Inception“. Erfolg lässt sich eben nicht immer wiederholen.