Philipp Leinemanns neuer Kinofilm „Wir waren Könige“ räumt auf mit dem Klischee von der heroischen Arbeit der SEKs

Uniformen, Kameradschaft und Adrenalin – die Polizei wirkt für viele faszinierend und wegen ihrer ganz eigenen Ästhetik nahezu prädestiniert für den Film. Zahlreiche stilbildende Regisseure haben sich ihr schon gewidmet – beispielsweise Dominik Graf mit seinem epochalen Zehnteiler „Im Angesicht des Verbrechens“. Nun bringt Philipp Leinemann mit „Wir waren Könige“ einen neuen Polizei-Thriller auf die Leinwand.

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Die Bildsprache ist kalt, die Handlung brutal

Philipp Leinemann räumt mit seinem Thriller „Wir waren Könige“ mit dem Bild vom SEK als Eliteeinheit auf und lässt den Zuschauer tief in die Seele von Polizisten gucken. Gleich zum Beginn des Films erlebt der Zuschauer einen Rountine-Einsatz des SEK, der desaströs endet: Die von Kevin (Ronald Zehrfeld) und Mendes (Misel Maticevic) geleitete Sondereinheit stürmt eine Wohnung, in der Kriminelle ihr Hauptquartier eingerichtet haben und stoßen auf massive Gegenwehr. Im Kugelhagel sterben zwei Kriminelle. Ein dritter Gangster entkommt und zwei Polizisten werden lebensgefährlich verletzt.

Schon vorher stand Kevins und Mendes‘ SEK-Einheit unter Beobachtung ihres Vorgesetzten Hartmann (Thomas Thieme). Nun weht ihnen aus den höheren Etagen der Polizeiführung noch härterer Gegenwind entgegen: In der Zentrale gibt es Standpauken von oben, es wird eng für die Truppe, die sich für unangreifbar hält und wie Pech und Schwefel zusammenhält.

Als dann noch bei einem Einsatz gegen Jugendbanden zwei weitere Kollegen beim Schusswechsel sterben, wird der Druck enorm und das Ego der SEK-Truppe ist mächtig angekratzt. Zwischen den verfeindeten Gangs im sozialen Brennpunkt steht der kleine Nasim, der bei den Großen mitmachen möchte und ohne es zu wollen, eine Welle von Gewalt auslöst.

 

Wer spielt im Film mit?

Für „Wir waren Könige“ setzt Regisseur Philipp Leinemann auf genrebewährte Schauspieler: Ronald Zehrfeld mimt den Gruppenleiter Kevin, Misel Maticevic seinen Kollegen Mendes. Beide waren auch schon 2008 in Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“ zu sehen und gerade Zehrfeld wirkt mit seiner bulligen Statur und kraftbetonten Spielweise prädestiniert für die Rolle des Rambo-Polizisten.

Fast schon folgerichtig wirkt die übrige Besetzung des Hauptcasts: Thomas Thieme (Besondere Schwere der Schuld, Tatort, Ein Fall für Zwei) spielt Kevins und Mendes‘ Vorgesetzten Hartmann, Hendrik Duryn (Der Lehrer, Tatort – Kinderland, Von Fall zu Fall) mimt ihr Teamglied Thomas und Samia Chancrin (Der Kriminalist, Spreewaldkrimi) verkörpert die die Polizistin Nadine.

Nicht qualitativ, sondern biografisch fällt Frederick Lau da fast ein wenig aus der Reihe, der 2008 den Deutschen Filmpreis für seine Rolle in Dennis Gansels „Die Welle“ erhielt und auch sonst in Filmen wie „Coming In“ oder „Bornholmer Straße“ vielfältige Rollen beeindruckend glaubhaft spielt.

Gleich zwei Darsteller feiern mit „Wir waren Könige“ ihr Leinwanddebüt: Tilman Strauß in der Rolle des Thorsten und Mohammed Issa in der Rolle des Nasim.

Wer hat den Film inszeniert?

„Wir waren Könige“ wurde von Tobias Walker und Philipp Worm produziert, die mit ihrer Produktionsfirma Walker+Worm sonst eher Werbefilme produzieren und sich mit „Wir waren Könige“ erstmals nach dem 2009 von Philipp Koch inszenierten Drama „Picco“ wieder an einen Kinofilm gewagt haben. Die Regie führt Philipp Leinemann, der Regisseur von Filmen wie dem Episodenfilm „Wie es bleibt“ und dem Drama „Transit“.

Für die Stunts und den Schnitt haben Walker, Worm und Leinemann auf Actionfilm- und Krimi-erfahrene Crewmitglieder gesetzt: Als Stunt-Koordinator fungiert René Lay (Großstadtrevier, Der Alte, SOKO Wismar). Für den Schnitt zeichnen Jochen Retter (Die vierte Macht, Lasko – Die Faust Gottes) und Max Fey (Off Beat, Transit) verantwortlich.

 

Lohnt sich der Kinobesuch?

Wer auf „Tatort“ und „Polizeiruf“ steht, sollte „Wir waren Könige“ meiden. Philipp Leinemanns Film ist alles andere als ein braver Krimiabklatsch – auch wenn der Blick auf Cast und Crew diesen Eindruck auf den ersten Blick durchaus vermitteln. Das Bild, das andere Fernsehproduktionen von der ehrlichen Arbeit der Polizei und vom „heroischen“ Leben des SEK über Jahre hinweg geschaffen haben, ertränkt Leinemann aber genüßlich in einer bitter-bösen Melange aus Blut, Adrenalin und Gewalt.

„Wir waren Helden“ ist ein Film, der von Action und Gewalt geprägt wird und der sicher auch ohne zumindest einige der brutalen, fast voyeuristichen Szenen auskommen könnte. Gerade diese absolute Konsequenz der Erzählung, die auch von der düsteren, manchmal gar depressiven Bildsprache und einem glaubhaft spielenden Cast rund um Ronald Zehrfeld und Misel Maticevic ermöglicht wird, machen aus „Wir waren Helden“ aber einen packenden Film fern jeden Klischees.