Erik van Looy wagt mit „The Loft“ ein Remake seines eigenen Films und muss auf gnädige Zuschauer hoffen

Es kommt nicht oft vor, dass ein Drehbuch gleich dreimal verfilmt wird. Dem belgischen Autor Bart de Pauw ist dieses Kunststück geglückt. Nach seinem eigenen Original von 2008 und dem niederländischen Remake von 2010 hat sich der Regisseur Erik van Looy nun erneut dem Buch angenommen. Sein Film „The Loft“ startet heute im Kino.

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Der mysteriöse Tod einer jungen Frau lässt den Traum vom Liebes-Loft platzen

Es ist ein Traum, den sicher jede Männerclique schon einmal diskutiert hat: Wie wäre es, ein eigenes, geheimes Apartement zu haben, in dem man(n) seine amourösen Abenteuer außerhalb der eigentlichen Beziehung ungestraft ausleben kann?

In Erik van Looys Film „The Loft“ überredet Architekt Vincent (Karl Urban) seine vier besten Freunden genau diesen Wunsch Realität werden zu lassen. Gemeinsam kaufen sie ein Luxusloft, das sie nach strengen Regeln und mit nur fünf Schlüsseln nutzen, um Exklusvitiät und Anonymität zu wahren.

Doch als die Freunde eines morgens im Loft eine junge Frau tot im Bett vorfinden, spricht alles für einen Mord, den einer von ihnen begangen haben muss. So beginnt die dramatische Tätersuche, die schnell in gegenseitigen Schuldvorwürfen gipfelt und nicht nur für die ermittelnden Polizisten einige Überraschungen ans Licht bringt.

Mit „Loft – Tödliche Affären“ (2008, Erik van Looy) und „Loft“ (2010, Antoinette Beumer) wurde diese Geschichte in den letzten sechs Jahren schon zwei Mal verfilmt. Erik van Looy, der Regisseur des Original-Films, hat sich nun ein zweites Mal dem Drehbuch von Bart de Pauw angenommen – wohl auch, um seinen schwachen ersten Versuch vergessen zu machen. Darüber, ob van Looys Remake des eigenen Films besser gelungen ist, scheiden sich die Geister, denn „The Loft“ macht es dem Zuschauer nicht leicht.

 

Wer spielt im Film mit?

Vor allem die Konfiguration der einzelnen Figuren mutet wie ein munteres Bedienen aller gängigen Klischess an. Echte Sympathiefiguren sucht man vergeblich. Stattdessen begegnen dem Zuschauer in den Charakteren Vincent Stevens (Karl Urban), Chris Vanowen (James Marsden), Luke Seacord (Wentworth Miller), Marty Landry (Eric Stonestreet) und Philip Trauner (Mathias Schoenarts) fünf fleischgewordene Stereotype. Alle männlichen Hauptfiguren werden von ihren Darstellern grundsolide gespielt, wirken aber vielleicht gerade deshalb besonders untreu, berechnend und vulgär.

Ihre weiblichen Gegenparts sind nicht anders angelegt. Unter den Frauenfiguren finden sich manipulative, psychisch labile und auch gefühlskalte Exemplare, aber – leider – kein einziger Charakter, der wirklich durchdacht scheint.

Sieht man sich nur die Figuren an, dann wirkt Erik van Looys Film wie eine moderne Adaption des klassischen Typentheaters. Angesichts von Erik van Looys Unfähigkeit Unlust, komplexere Figuren anzulegen, fällt es den Schauspielern schwer, ihr Können in diesem Film wirklich auszuspielen. Einzig Chris Vanowen als Initial gebender Architekt Vincent und Rachael Taylor in der Rolle der Ann Morris gelingt es, wenigstens zeitweise aus dem viel zu enggeschnürten Korsett ihrer Rollen auszubrechen und schauspielerische Akzente zu setzen.

Wer hat den Film inszeniert?

Das Drehbuch stammt aus der Feder von Bart de Pauw, der sich inzwischen zu einem wahren Multitalent im Film-Geschäft gewandelt hat und im Filmgeschäft als Drehbuchautor (Team Spirit, Quiz Me Quick), Schauspieler (Neveneffecten) und Regisseur (De Kinderpuzzel, Neveneffecten) aktiv ist.

Inszeniert wurde „The Loft“ von Erik van Looy, der nach Filmen wie „Shades“ und „The Memory of a Killer“ mit „The Loft“ zum ersten Mal einen amerikanischen Spielfilm inszeniert hat.

 

Lohnt sich der Kinobesuch?

„The Loft“ ist ein Film, der dem Zuschauer viel zumutet: eine bereits bekannte Story genauso wie stereotyp gehaltene Figuren und eine – handlungsbedingt – erst in den letzten 30 Minuten so richtig aufkommende Spannung. Entsprechend schwer fällt es, wirklich positiv über van Loys gerade in den Kinos angelaufenes Machwerk zu urteilen.

Der Film hat aber durchaus auch seine Stärken – vor allem in der von van Looy verfolgten Strategie der cleveren Inszenierung, mit der gekonnt verschiedene Zeit- und Handlungsebenen miteinander verwoben und entscheidende Details ausgespart werden.Der Zuschauer wird so in die Lage versetzt, mitzurätseln, wer denn der Täter sein könnte. Dies aber setzt voraus, dass er sich dem Film nicht schon vorher entzieht, denn Grund genug dazu, den Kinosaal vor Filmende zu verlassen, gibt es.