Neu im Kino: The Interview

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Nun ist es also auch in Deutschland soweit: Seth Rogens und Evan Goldbergs Film „The Interview“ ist am Donnerstag in den Kinos gestartet – allen diplomatischen Querelen und allem Säbelrässeln des nordkoreanischen Regimes zum Trotz. Seit dem 5. Februar läuft „The Interview“ bei uns in den Kinos und dürfte ein Millionenpublikum anlocken. Doch lohnt sich der Gang ins Kino wirklich?

 

Dieser Film ist ein Politikum. Schon vor dem Start von Evan Goldbergs und Seth Rogens Film „The Interview“ in den amerikanischen Kinos erregte die Satire weltweit die Gemüter und beschwor einen politischen Skandal herauf. Kaum ein Mittel ließ das nordkoreanische Regime unversucht, um die Veröffentlichung von „The Interview“ doch noch zu verhindern: Schon im Juli 2014, fünf Monate vor dem Kinostart, beschwerte sich der nordkoreanische UN-Botschafter Ja Song Nam beim UN-Generalsekretär Ban Ki-moon über „The Interview“. Die im Film gezeigte Ermordung des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un sei, so die Argumentation der Nordkoreaner, nicht nur eine „Kriegshandlung“, sondern auch eine „unverhohlene Unterstützung von Terrorismus“.

Im November 2014 gelang es nordkoreanischen Hackern schließlich, unveröffentliche Filme und große Menge interner Daten von Servern des Verleihs Sony Pictures zu entwenden. Und am 16. Dezember 2014, nur wenige Tage vor dem geplanten Kinostart in den USA drohte die Gruppe „Guardians of Peace“ mit Anschlägen auf Kinos, in denen der Film aufgeführt würde. Selbst Barack Obama war nicht sicher vor den Drohungen Nordkoreas: Die nordkoreanische Nationale Verteidigungskommission drohte ihm, auf ein Festhalten der US-Regierung an ihrem „arroganten und verbrecherischen“ Kurs werde Nordkorea mit „unentrinnbaren tödlichen Schlägen“ reagieren.

Im Film scheinbar beste Freunde, im realen Leben erbitterte Gegner: „The Interview“ von Seth Rogen und Evan Goldberg hat für einige politische Spannungen gesorgt

Im Film scheinbar beste Freunde, im realen Leben erbitterte Gegner: „The Interview“ von Seth Rogen und Evan Goldberg hat für einige politische Spannungen gesorgt

So scharf die Worte und kriminell die Hackerangriffe der Nordkoreaner waren, so folgenlos blieben sie auch: „The Interview“, der Film von Seth Rogen und Evan Goldberg, ist am 25. Dezember 2014 in Hunderten amerikanischen Kinos gestartet und läuft seit dem 5. Februar auch in jeder größeren deutschen Stadt. Für Sony Pictures dürfte das Verhalten Nordkoreas Fluch und Segen zugleich sein. Segen deshalb, weil kaum ein Film in den letzten Jahren eine ähnlich große, weltweite Beachtung gefunden hat. Und Fluch deshalb, weil bei der ganzen Diskussion um „The Interview“ der Film als Kunstwerk weitgehend in den Hintergrund getreten ist.

Wer sich – so wie ich – mit den politischen Querelen im Hinterkopf „The Interview“ im Kino ansieht, wird vor allem eines sein: desillusioniert und verwirrt. Seth Rogens und Evan Goldbergs „The Interview“ ist, was Handlung und Cast betrifft, solider Durchschnitt. Nicht mehr und nicht weniger. Aber der Reihe nach.

 

Wovon handelt „The Interview“?

Dave Skylark (James Franco) und Aaron Rapaport (Seth Rogen) stehen im Mittelpunkt der Handlung von „The Interview“. Gemeinsam zeichnen sie für den Erfolg der Promi-Talkshow „Skylark Tonight“ verantwortlich – Dave Skylark als Moderator und Aaron Rapaport als Produzent. Doch so richtig zufrieden sind sie nicht mit dem bisher Erreichten. Sie wollen höhere journalistische Wellen schlagen und vor allem eines erreichen: noch größere persönliche Bekanntheit. Da kommt es ihnen wie gelegen, dass sich ausgereichnet der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un (Randall Park) als einer ihrer größten Fans entpuppt.

Dave Skylark und Aaron Rapaport planen ein Interview mit Kim Jong-un zu führen, um in der Medienbranche endlich ernstgenommen zu werden. Und tatsächlich lädt sie der extra vagant auftretende Diktator zu einem Gespräch in sein Land ein. Doch dann tritt plötzlich die CIA-Agentin Lacey (Lizzy Chaplan) an die beiden heran: Der Geheimdienst sieht mit dem anstehenden Interview die große Chance gekommen, die Kim-Dynastie ein für alle Mal zu stürzen und möchte die TV-Macher rekrutierten. Dave Skylark und Aaron Rapaport sollen das Interview nutzen, um Kim Jong-un im Auftrag der amerikanischen Regierung aus dem Weg zu räumen.

 

Wer spielt in „The Interview“ mit?

Seth Rogen und Evan Goldberg, die beiden Regisseure von „The Interview“,  konnten für ihren Film durchaus namhafte Schauspieler gewinnen, die aber seltsam uninsipir

Wie Abziehbilder: Seth Rogen und James Franco scheitern in „The Interview“ an den Konventionen des Genres

Wie Abziehbilder: Seth Rogen und James Franco scheitern in „The Interview“ an den Konventionen des Genres

iert wirken und letztlich blass bleiben. Während die aus Serien wie „The League“ und „Masters of Sex“ bekannte Lizzy Chaplan als dienstbefissene CIA-Agentin Lacey es durchaus vermag,

mit ihrem Charme Akzente zu setzen, wirken James Franco als Talkshow-Moderator Dave Skylark und Seth Rogen als sein Produzent Aaron Rapaport eher wie farblose Abziehbilder des klassischen Showbiz-Fuzzis.

Natürlich handelt es sich bei „The Interview“ um eine Satire und selbstredend bringt dieses Genre seine ganz eigenen Konventionen mit sich, die Regisseure Seth Rogen und Evan Goldberg und ihre Drehbuchautoren schaffen es aber leider nicht, mit diesen Konventionen zu brechen. Stattdessen verliert sich „The Interview“ als Film allzu oft in billigen Zoten, flachen Witzen und konstruiert wirkender Situationskomik, die schwer auf dem Spiel von James Franco und Seth Rogen lasten.

Lohnt es sich, „The Interview“ im Kino zu sehen?

„The Interview“ ist ein Film, den man sich auf zwei Wegen nähern kann: Evan Goldberg und Seth Rogen ist zum einen ein Film gelungen, der weltweit für Furore und politische Irritationen gesorgt hat. „The Interview“ ist so – nicht zuletzt durch das kindische Verhalten des nordkoreanischen Regimes – zu einem Stück Zeitgeschichte geworden. Wer politisch interessiert ist, sollte „The Interview“ deshalb im Kino sehen, um sich selbst ein eigenes Bild vom Gegenstand des monatewährenden Skandals zu machen.

Zum anderen ist „The Interview“ aber immer noch ein Film, den man auch als eigenständiges Kunstwerk sehen kann und sehen sollte. Legt man die klassischen Maßstäbe an die Handlung und das Spiel des Casts, dann entpuppt sich „The Interview“ als ein leider durch und durch mittelmäßiger Film. Nicht wenige Zuschauer dürften das Kino enttäuscht verlassen.

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