Mit seinem gerade ins Kino gekommenen Film „Nightcrawler“ gelingt Dan Gilroy ein beeindruckendes Regiedebüt

Kino.de hat „Nightcrawler“ zum „Film der Woche“ gekürt. Umso gespannter war ich, ob Dan Gilroys Regiedebüt mit Bill Paxton, Rene Russo und Jake Gyllenhaal in den Hauptrollen das hält, was schon zum Kinostart am 13. November auf anderen Bewertungsportalen über den Film zu lesen war.

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In „Nightcrawler“ spielt Jake Gyllenhaal einen Dieb auf Abwegen

„Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ ist kein Horrorfilm. Auch wenn der Titel des Films ziemlich sprechend klingt, täuscht der erste Eindruck. Statt Zombies oder Vampiren begegnet der Zuschauer Lou Bloom, einem durchaus intelligenten und engagierten Dieb. Sein auf die schiefe Bahn geratenes Leen wandelt sich, als Bloom in Los Angeles zufällig Zeuge eines Unfalls wird und sieht, wie ein Paparazzo den Tatort fürs Fernsehen dokumentiert.

Bloom beschließt, ins Paparazzi-Geschäft einzusteigen und damit gewinnt die Handlung an Dynamik. Er lernt schnell und leckt Blut, als die Nachrichtenproduzentin Nina ihm die ersten Bilder abnimmt. Für seinen Erfolg ist er ab sofort bereit, Grenzen zu überschreiten. Die Jagd nach dem besten Bild wird so zu einem erschreckend lebensechten Kriminalstück über die oft dubiöse Arbeitsweise von „Fotoreportern“.

 

Wer spielt mit?

„Nightcrawler“ besticht nicht nur durch seine Handlung, sondern auch durch einen bärenstarken Jake Gyllenhaal. Fast schon oscarreif verkörpert er in der Hauptrolle den anfänglichen Dieb und später sehr ambitionierten Paparrazzo Lou Bloom. Man merkt Gyllenhaal deutlich an, dass er nach ersten, damals noch zaghaften Gehversuchen in Filmen wie Dustin Hoffmanns „Moonlight Mile“ und Joe Johnstons „October Sky“ den Wandel hin zum gestandenen Charakterdarsteller erfolgreich gemeistet hat.

Wirkte Gyllenhaal an der Seite von Heath Ledger in „Brokeback Mountain“ noch etwas blass, hat er sich mit Rollen in Jerry Bruckheimers Film „Prince of Persia“ und Denis Villeneuves „Prisoners“ die Erfahrung angeeignet, die er in „Nightcrawler“ eindrucksvoll demonstriert.

Andere Hauptdarsteller wie Bill Paxton und Riz Ahmed wirken im Kontrast zu Gyllenhaal eher ein wenig blass. Rene Russo (Lethal Weapon, Die Thomas Crown Affäre) gibt in der Rolle der Nina Romina hingegen einen eindrucksvollen Counterpart ab.

 

Wer hat’s inszeniert?

„Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ ist das Regiedebüt von Dan Gilroy, der schon seit 2005 als Produzent (Two for the Money) und Drehbuchautor (Chasers, The Fall, Das Bourne Vermächtnis) in Hollywood arbeitet. Natürlich hat es sich Gilroy nicht nehmen lassen, auch das Buch zu „Nightcrawler“ selber zu schreiben.

Mit dem oscar-gekrönten Kameramann Robert Elswit (There will be Blood), Kostümbildnerin Amy Westcott (Black Swan) und Komponist James Newston Howard (The Dark Knight) ist es Dan Gilroy gelungen, gleich drei namhafte Crewmitglieder um sich zu versammeln. Vor allem die eindringliche Musik und die packende Bildsprache machen aus „Nightcrawler“ einen sehr sehenswerten Film, der irgendwo an der Grenze zwischen Krimi und Thriller anzusiedeln ist.

 

Lohnt sich der Kinobesuch?

In meinen Augen ist „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ einer der stärksten Filme, die in den letzten Wochen und vielleicht sogar in diesem Jahr ins Kino gekommen ist. Getragen von einer erfahrenen Crew und erfahrenen Darstellern rund um den großartig spielenden Jake Gyllenhaal erhebt Dan Gilroy gleich mit seinem Regiedebüt den berechtigten Anspruch, in die erste Liga der Hollywood-Regisseure aufzusteigen.

„Nightcrawler“ ist mehr als ein Film über einen ehemaligen Dieb, der sein Geld nun als Paparazzo verdient. Dan Gilroy zeichnet mit den Stilmitteln des Krimis und Thrillers nicht weniger als ein Porträt über die amerikanische Gesellschaft und lässt den Zuschauer tief in deren Abgründe blicken.