Neuer Brenner-Krimi im Kino: Das ewige Leben

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„Arthouse oder Trash“, denkt man unweigerlich, wenn ein Film am Samstagabend nach dem Kinostart in ganz Berlin nur in einer Handvoll Kinos gezeigt wird. Auf Wolfgang Murnbergers neuen Brenner-Film „Das ewige Leben“ trifft beides und nichts zugleich zu. Murnbergers Film mit den aus „Silentium“ und „Der Knochenmann“ bekannten Mimen Josef Hader und Tobias Moretti spielt gekonnt mit Genrekonventionen und Sehgewohnheiten.

Schon wieder ein Film mit dem bedeutungsschwangeren Wörtchen „Leben“ im Titel. Kaum hat sich das von Alice Brauner produzierte und von Uwe Janson inszenierte Arthouse-Drama „Auf das Leben“ nach dem „Vienna Filmball Award“ auch den Publikumspreis beim Deutschen Hörfilmpreis gesichert, startet Wolfgang Murnbergers Komödie „Das ewige Leben“ in den Kinos, eine Adaption von Wolf Haas gleichnamigem Roman.

So ähnlich ihre Titel klingen, so sehr unterscheiden sich die beiden Filme „Auf das Leben“ und „Das ewige Leben“ von einander: Während Uwe Jansons „Auf das Leben“ gekonnt auf jüdische Folklore als Stilmittel und das zurückgenommene Spiel von Hannelore Elsner und Max Riemelt setzt, kommt „Das ewige Leben“ brachial statt subtil daher – dafür aber mit viel Charme und der – nach „Silentium“ und „Der Knochenmann“ schon zu erwartenden – großen Portion Wiener Schmäh.

 

Wovon handelt Wolfgang Murnbergers Film „Das ewige Leben“?

Mit „Das ewige Leben“ verfilmt Wolfgang Murnberger nach „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ bereits zum vierten Mal einen Krimi von Wolf Haas

Filmplakat zu „Das ewige Leben“, Wolfgang Murnbergers neuem Kinofilm rund um Simon Brenner

Filmplakat zu „Das ewige Leben“, Wolfgang Murnbergers neuem Kinofilm rund um Simon Brenner

und wieder spielt Josef Hader den Antihelden Brenner. Brenner ist zu Beginn der Filmhandlung auf ganzer Linie gescheitert. Zurück in seiner Heimatstadt Graz wartet nicht mehr als das kleine, windschiefe Häuschen seiner Mutter im dörflich tristen Bezirk Puntigam auf ihn. In der Bruchbude muss er ohne Strom auskommen, teilt dafür aber wenigstens gemeinsam mit einer Katze die Vorzüge eines undichten Dachs.

In seiner Verzweiflung besinnt sich Brenner seines alten Polizeischulfreunds Köck (Roland Düringer). Köck verdingt sich nun als zwielichtiger Altwarenhändler und so dauert es nicht lange, bis ein dritter Bekannter auftaucht. Auch ihn kennt der Zuschauer aus Filmen wie „Silentium“ oder „Der Knochenmann“. Doch Aschenbrenner (Tobias Moretti) hat seinen beiden Weggefährten eines voraus: Er hat Karriere gemacht und ist nun ein hohes Tier beim Landeskriminalamt.

Kurze Zeit nach dem unverhofften Wiedersehen steht Aschenbrenner vor dem für ihn brenzligsten Fall seiner Laufbahn: Köck ist tot und Brenner liegt mit einem Kopfschuss im Krankenhaus, kann sich aber an nichts mehr erinnern. Langsam nimmt Aschenbrenner Fährte auf. Gab es in Köcks, Brenners und seiner Vergangenheit nicht diese eine riesengroße Dummheit, die sie gemeinsam begangen haben? Ihre Konsequenzen scheinen immer noch nicht ausgestanden zu sein und Graz, ein Dorf, in dem jeder jeden kennt, erweist sich im Laufe der Handlung von „Das ewige Leben“ mehr und mehr als gefährliches Pflaster.

Wer spielt die Hauptrollen in Wolfgang Murnbergers „Das ewige Leben“?

Für seinen Film „Das ewige Leben“, die Adaption von Wolf Haas gleichnamigem Krimi, setzt Regisseur Wolfgang Murnberger auf ein neues Duo: Josef Hader (Brenner) und Tobias Moretti (Aschenbrenner) spielen die Hauptrollen. Zur Seite stehen ihnen Roland Düringer („3Faltig“, „Darum“, „Die Viertelliterklasse“) als grantelnder, kleinkrimineller König der

Vor „Das ewige Leben“ hat Wolfgang Murnberger bereits die Romane „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ mit Josef Hader und Tobias Moretti in den Hauptrollen verfilmt. Auf DVD wurden sie in der „Brenner-Box“ veröffentlicht.

Vor „Das ewige Leben“ hat Wolfgang Murnberger bereits die Romane „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ mit Josef Hader und Tobias Moretti in den Hauptrollen verfilmt. Auf DVD wurden sie in der „Brenner-Box“ veröffentlicht.

Grazer Unterwelt und Nora von Waldstätten („Blutsschwestern“, „Hotel Adlon“, „Parkour“), die sich in der Rolle der Medizinerin Frau Dr. Irrsiegler um den im Krankenhaus liegenden Brenner kümmert.

Vor allem Josef Hader und Tobias Moretti verleihen dem Film dabei jene brachiale Kraft, die „Das ewige Leben“ – irgendwo zwischen Krimi-Adaption, Thriller und Komödie – wirklich sehenswert macht. Der von Josef Hader verkörperte Brenner wirkt in „Das ewige Leben“ mehr denn je wie ein gebrochener Antiheld aus den ganz großen Tragödien, stolz und stur zwar, aber dennoch ziemlich am Ende. Besonders krass wirkt da der – auch durch ein gelungenes Szenenbild atmosphärisch kontruierte – Kontrast zu Tobias Morettis Charakter Aschenbrenner. Aschenbrenner ist in „Das ewige Leben“ auf dem (vorläufigen) Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Als Chef der Grazer Kriminalpolizei lässt er keinen Zweifel daran, wer das Sagen hat und mutiert zum beängstigend moralbefreiten Amtsfürsten.

 

Lohnt es sich, „Das ewige Leben“ im Kino zu sehen?

Wolfgang Murnbergers „Das ewige Leben“ vereint all jene Stilelemente eines Krimis, die jeden Sonntag Millionen Zuschauer für den „Tatort“ versammeln und geht doch weit über dessen Genregrenzen hinaus. Der Film punktet nicht nur mit einem zunächst mysteriösen Fall, wendungsreichen Ermittlungen und echten, aus dem Leben gegriffenen Charakteren, sondern bietet dem Zuschauer im gleichen Moment immer auch eine ironische bis groteske Ebene, die das Dargestellte wirksam ins Komische entrückt.

Neben der großartigen literarischen Vorlage von Wolf Haas kann Regisseur Wolfgang Murnberger dabei auf Josef Hader und Tobias Moretti zurückgreifen, ein kongeniales und eingespieltes Duo, das in „Das ewige Leben“ so frisch und spannungsreich wie nie interagiert.

Wolfgang Murnberger ist mit „Das ewige Leben“ ein Film gelungen, der über volle 120 Minuten nicht nur als Krimi, sondern gleichzeitig auch als Tatort-Parodie funktioniert. Man würde Murnberger, seiner Crew und seinem Cast wünschen, dass „Das ewige Leben“ in mehr als nur ein paar vereinzelten Kinos läuft.

 

Der achte und bislang letzte Brenner-Krimi von Wolf Haas heißt „Brennerova“ und ist 2014 erschienen.

Der achte und bislang letzte Brenner-Krimi von Wolf Haas heißt „Brennerova“ und ist 2014 erschienen.

Der Brenner in den Krimis von Wolf Haas und Filmen von Wolfgang Murnberger

„Das ewige Leben“ ist am 19. März in den Kinos gestartet. Seine Vorgänger „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ sind auf DVD erhältlich. Im Bundle sind alle drei Filme in der „Brenner Box“ aktuell für 21,99 Euro bei Amazon erhältlich.

Die Filme basieren auf Kriminalromanen von Wolf Haas. Haas hat dem kongenialen Duo Brenner und Aschenbrenner bislang acht Romane gewidmet: Neben den bereits verfilmten Krimis „Der Knochenmann“ (1997), „Komm, süßer Tod“ (1998), „Silentium“ (1999) und und „Das ewige Leben“ (2003) stammen auch folgende Brenner-Krimis aus der Feder von Wolf Haas, die bislang noch nicht verfilmt wurden: „Auferstehung der Toten“ (1996), „Wie die Tiere“ (2001), „Der Brenner und der liebe Gott“ (2009) und „Brennerova“ (2014).

Die ersten sechs Brenner-Krimis von Wolf Haas können im Bundle hier für etwa 80 Euro bestellt werden. Leider nicht in der Box enthalten sind „Der Brenner und der liebe Gott“ und „Brennerova“.

 

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