Mit „Miss Blackpool“ hält Nick Hornby der alternden Pop-Generation einen Spiegel vor – das gefällt nicht allen

Da ist er nun also, „Miss Blackpool“ – der neue Roman von Besteller-Autor Nick Hornby. Am 13. November ist Hornbys neues Buch bei Kiepenheuer & Witsch erschienen – 432 Seiten stark und gleich zum Verkaufsstart nicht nur von Sebastian Hammelehle bei Spiegel Online verrissen.

Wie geht das? Wie kann ein Autor wie Nick Hornby, der „Fever Pitch“ geschrieben hat, aus dessen Feder „High Fidelity“ stammt und der in den letzten Jahren mit Romanen wie „A
Long Way Down“ und „Slam“ Millionen Leser weltweit begeisterte, so daneben liegen wie mit seinem neuen Buch. Das fragte ich mich als ich die ersten kritischen Rezensionen zu „Miss Blackpool“ am Donnerstag gelesen habe, und habe Hornbys neuen Roman am Wochenende gelesen.

 

Wovon handelt der Roman?

Das Gefühl, das Hornby mit „Miss Blackpool“ transportiert, ist nicht unbedingt neu. Man kennt es aus Romanen wie Trini Trimpops grandios schnoddrigem „Exzess all Areas“ oder zuletzt aus Sven Regeners „Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt“.

Mit „Miss Blackpool“ führt Hornby den Leser zurück ins London der früheren 1960er Jahre. Barbara hat es hierhin verschlagen – auf der Flucht aus ihrem verschlafenen blackpoolProvinzstädtchen, in dem sie allenfalls noch die Aussicht auf den Titel als „Miss Blackpool“ gehalten hätte.

In London taucht Barbara ein in die schillernde Welt der gerade neu entstehenden Popkultur, in der sich Drehbuchautoren, Schauspieler, Regisseure, Autoren und Lebenskünstler tummeln – getrieben vom Traum, irgendwann den Durchbruch zu schaffen und ihr altes, von Verzicht und Alltagsflüchten gezeichnetes Leben hinter sich zu lassen. Mit Tony, Bill und Clive verbindet Barbara am meisten. Tony ist Drehbuchautor, Bill Produzent, Clive Schauspieler und gemeinsam gelingt es den vier Lebenskünstlern Künstlern tatsächlich, mit ihrer Sitcom trotz einiger Rückschläge erfolgreich zu werden.

Doch Hornby wäre nicht Hornby, wenn „Miss Blackpool“ so enden würde. Vielmehr ist sein neuer Roman eine humorvolle, zuweilen auch zynische Absage an den Traum vom Show-Business. Sobald der Erfolg der Sitcom verblasst ist, drängt sich nicht nur der alternden Gruppe um Barbara, sondern auch dem Leser die eine, alles entscheidende Frage auf: Was passiert, wenn Schönheit und Ruhm mit der Zeit verblassen?

 

Wer hat das Buch geschrieben?

Nick Hornby – viel mehr muss man eigentlich an dieser Stelle nicht schreiben, denn Hornby dürfte inzwischen – nicht zuletzt dank der Verfilmung zahlreicher seiner Romane – bekannt sein. 1957 im britischen Redhill geboren, machte der frühere Lehrer erstmals 1996 mit „Fever Pitch“ von sich reden. In den letzten 18 Jahren folgten dann nahezu Bestseller am Stück. Romane wie „High Fidelity“, „About a Boy“, „A Long Way Down“, „Pray” und „Slam“ wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und erreichten Auflagen weit jenseits der Hunderttausend Exemplare.

Eher unbekannt ist, dass Nick Hornby nicht nur als Literat unterwegs ist, sondern auch andere Kunstfelder für sich entdeckt hat: Für den Musiker Ben Folds schrieb Nick Hornby alle Songtexte des 2010 veröffentlichen Albums „Lonely Avenue“ und wurde im gleichen Jahr für das Drehbuch zum Film „An Education“ sogar für den Oscar nominiert.

 

Lohnt sich der Kauf des Buchs?

So „dröge“ wie Spiegel Online-Redakteur Sebastian Hammelehle fand ich Hornbys neuen Roman „Miss Blackpool“ nicht. Ganz im Gegenteil: Ich habe das Buch an einem Wochenende gelesen und konnte es zwischendurch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte von Barabara und ihren drei Mitstreitern ist nicht nur stark konzipiert, sondern wird von Hornby auch mit einer großen Portion Humor und teils wohltuendem Sarkasmus erzählt.

Durch die gekonnte Öffnung der Geschichte, in der nicht nur Barbara, sondern auch eine Vielzahl anderer Haupt- und Nebenfiguren Platz finden, gelingt es Hornby, mehr als ein singuläres Schicksal zu schildern. „Miss Blackpool“ ist eine literarische Mileaustudie, die der alternden Pop-Generation den Spiegel vorhält.