Mit B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin kehrt der Punk zurück auf die Leinwand

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Am Samstag wurden in Berlin die Bären verliehen. Zeit, einen Blick zurückzuwerfen auf die letzten Tage und Filme, die bei der Berlinale Fach- und normalen Zuschauern präsentiert wurden. Für mich war Jörg A. Hoppes, Heiko Langes und Klaus Maecks „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“ eines der Highlights der diesjährigen Berlinale.

Durch die Augen von Marc Reeder (links) vermitteln Jörg A. Hoppe, Heiko Lange und Klaus Maeck in „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“ das Lebensgefühl einer Generation

Durch die Augen von Marc Reeder (links) vermitteln Jörg A. Hoppe, Heiko Lange und Klaus Maeck in „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“ das Lebensgefühl einer Generation

Fragt man heute Jugendliche, wo früher die Berliner Mauer stand, welcher Teil Berlins im Westen und welcher im Osten der Stadt lag, muss man bei manchen Antworten schwer schlucken. Mitte? Natürlich im Westen, so mondän und herausgeputzt dort alles ist. Wedding und Gesundbrunnen? So schmuddlig wie manche Gegenden in diesen Stadtteilen daherkommen, tippen viele auf den Osten. Ich habe dieses Frage-Antwort-Spiel vor einiger Zeit mit einer Bekannten gespielt, Jahrgang 1993 und gebürtige Berlinerin.

Zum Glück habe ich sie nicht gefragt, was sie unter „Punk“ versteht. Vermutlich hätte sie Bilder von Obdachlosen mit bunten Haaren und Schäferhunden am Bahnhof Zoo oder an der Oberbaumbrücke im Kopf gehabt. Umso dankbarer bin ich, dass sich nun nach „Verschwende Deine Jugend“ ein zweiter Film anschickt, „Punk“ – oder besser: das was einmal „Punk“ war – zurück ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit zu rufen.

Für mich war Jörg A. Hoppes, Heiko Langes und Klaus Maecks „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“ eines der Highlights der diesjährigen Berlinale – zwar versteckt in der Sektion „Panorama“, aber dennoch ein wichtiger Film, der es schafft, das Lebensgefühl einer längst untergegangenen Sub- und Gegenkultur zu konservieren.

 

Wovon handelt „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“?

Den Regisseuren Jörg A. Hoppe, Heiko Lange und Klaus Maeck ist bei ihrem Film über die Punkszene West-Berlins ein echter Kunstgriff gelungen: Marc Reeder steht im Mittelpunkt von „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“. Kaum ein anderer Protagonist wäre besser geeignet, um an seinem Beispiel die Geschichte des Punks in den Jahren von 1979 bis 1989 zu erzählen. Marc Reeder kommt 1979 als junger Engländer aus Liebe zur deutschen Musik nach Berlin – und bleibt in der Stadt hängen. Er managt die Post-Punk-Band „Mania

„Wer sich am kommerziellen Musikgeschmack orientiert, dient der Reaktion“ – Blixa Bargeld in „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“

„Wer sich am kommerziellen Musikgeschmack orientiert, dient der Reaktion“ – Blixa Bargeld in „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“

D“, spielt in einigen von Jörg Buttgereits Filmen mit, wird Ton-Techniker der Toten Hosen und Berlin-Manager für das legendäre Joy-Divison-Label Factory Records.

Der Zuschauer erlebt Marc Reeders Karriere und seinen Alltag im West-Berlin der 80er Jahre mit, denn Hoppe, Lange und Maeck haben ihren Film „B-Movie: Lust & Sound in West Berlin“ aus Originalaufnahmen montiert. In den zahllosen gekonnt montierten Videoschnipseln und Filmdokumenten begegnet dem Zuschauer so das Who-is-who des alten West-Berlins.

Der dürre Blixa Bargeld, der in der Bar Risiko die Gäste besoffen macht. Der ernste Nick Cave, der an der Wand seines Zimmers in einer Berliner Wohnung „deutsche Gothik“ sammelt. Die coole Gudrun Gut, die vor dem Dschungel steht und Clubs aufzählt, in die man ab 2 Uhr gehen kann, kommen in „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“ genauso vor wie die schon aus „Verschwende Deine Jugend“ hinlänglich bekannte tödliche Doris – und gegen Ende des Films, als der Punk in Techno aufgeht, kreuzen sich selbst die Wege von Marc Reeder und Westbam.

 

Lohnt es sich, „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“ im Kino zu sehen?

Jörg A. Hoppe, Heiko Lange und Klaus Maeck zeichnen mit ihrem Film „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“ das Porträt einer Generation und vermitteln das Lebensgefühl des Punks in der geteilten Stadt in originalen, unverstellten Bildern. Das spezielle Thema wird dafür sorgen, dass nur wenige Zuschauer in die Kinos finden. Für kulturell Aufgeschlossene, Berlin-Interessierte und (Deutsch)Punk-Fans ist „B-Movie Lust & Sound in West-Berlin“ aber ein Film weitab des Mainstreams, den sie gesehen haben sollten, wenn er hoffentlich noch in diesem Jahr ins Kino kommt.

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