In Christian Moris Müllers Film „Lichtgestalten“ wagen Theresa Scholze und Max Riemelt den Neuanfang

Steffen (Max Riemelt) und Katharina (Theresa Scholze) brechen in Christian Moris Müllers Film „Lichtgestalten“ auf in ein neues Leben

Festivals bestimmen das deutsche Filmjahr. Sie dienen als Marktplatz für den Handel mit Filmrechten, zum Networking und sie bieten Filmkritikern die Chance, einige der in den kommenden Monaten im Kino startenden Filme zu sehen. Beim Max Ophüls Filmpreis (19. bis 25. Januar in Saarbrücken) sticht vor allem Christian Moris Müllers Film „Lichtgestalten“ hervor.

„Lichtgestalten“ zählt zu den 16 besten Filmen aus etwa 150 vorgeschlagenen Werken, die in Saarbrücken im Langfilm-Wettbewerb um den mit 36.000 Euro dotierten „Max Ophüls Preis“ konkurrieren. Für mich ist Christian Moris Müllers Film dabei weit mehr als nur eine „Festivalperle“. „Lichtgestalten“ ist großes Kino, einer der Hoffnungsträger des jungen deutschen Films in diesem Jahr.

Lichtgestalten - neuer Film mit Max Riemelt
 
Wovon handelt der Film?

„Vor zwanzig Jahren entschied sich mein Vater, sein Leben noch einmal ganz von vorne zu beginnen. Er wollte alles auf ,Null’ setzen und sich damit eine zweite Chance auf‘s Glück verschaffen. Seine Entscheidung beschäftigt mich bis heute. Ich wollte einen Film darüber machen, wie es sich anfühlt, wenn man mitten im Leben über Freiheit nachdenkt“,

beschreibt Christian Moris Müller seine Motivation, „Lichtgestalten“ zu produzieren.

In seinem neuen Film „Lichtgestalten“ lässt Christian Moris Müller ein junges Paar genau diese Erfahrung durchleben. Katharina (Theresa Scholze) und Steffen (Max Riemelt) haben auf den ersten Blick alles, was man gemeinhin zum Glücklichsein braucht: Sie haben gutbezahlte Jobs in der Kreativbranche, eine liebevolle Beziehung und sie leben im Herzen von Berlin auf zwei Etagen in einer Dachgeschosswohnung.

Doch eines Nachts spüren sie, dass ihr Leben mehr und mehr zu einem goldenen Käfig geworden ist, aus dem sie ausbrechen müssen, um wieder Luft zum Atmen zu bekommen. Katharina und Steffen beschließen, jegliches Zeichen ihrer Existenz zu vernichten, um irgendwo anders noch einmal neu anzufangen und wieder zu sich selber zu finden.

Die beiden richten eine Kamera ein, um ihren Neuanfang zu filmen und sich zu „Lichtgestalten“ zu stilisieren – in der Hoffnung, dass auch andere ihrem Beispiel folgen. Sie zerstören ihre Wohnung, verschenken ihr Hab und Gut, lösen ihre Bankkonten auf und verwischen ihre zahlreichen digitalen Spuren. Sogar ihren besten Freunden Robert (Sebastian Schwarz) und Paul (Max Woelky) wollen sie verschweigen, dass sie für immer verschwinden werden.

Doch mit jedem Schritt, den Katharina und Steffen in ein neues Leben gehen, nimmt ihr Vorhaben eine kaum aufzuhaltende Wendung: Wie konsequent will sich jeder einzelne von ihnen wirklich von seinem alten Leben trennen? Der Plan vom gemeinsamen Neubeginn gerät zum Kampf um ihre Liebe.

 

Wer spielt im Film mit?

Für die Hauptrollen konnte das Team um Christian Moris Müller namhafte Schauspieler gewinnen: Theresa Scholze („Vier Fenster“, „Der letzte Zeuge“, „Alisa – Folge Deinem Herzen“)  hat in „Lichtgestalten“ die weibliche Hauptrolle der Katharina übernommen und setzt damit ihre erfolgreiche Zusammenarbeit mit Müller fort: 2005 stand Theresa Scholze bereits für Christian Moris Müllers Kinofilm „Vier Fenster“ vor der Kamera, bevor sie 2009/2010 in der weiblichen Hauptrolle der Serie „Alisa – Folge Deinem Herzen“ einem größeren Publikum bekannt wurde und zu den Nominierten für den Grimme-Preis zählte. Man merkt ihrem Spiel in „Lichtgestalten“ an, wie gut Theresa Scholze und Christian Moris Müller harmonieren.

Charakterdarsteller Max Riemelt („Im Angesicht des Verbrechens“, „Freier Fall“, „Sense8“) spielt in „Lichtgestalten“ die männliche Hauptrolle und folgt damit – ähnlich wie auch in Uwe Jansons aktuellem Kinofilm „Auf das Leben“ – seiner Vorliebe für künsterisch anspruchsvolle Produktionen, die sich wie ein roter Faden durch seine Vita zieht.

„Max ist sehr unverstellt in seiner Arbeitsweise. Für Lichtgestalten war das besonders wertvoll, um dem nachdenklichen Grundton des Films etwas Greifbares und Körperliches entgegenzusetzen. Mit geschickten Bewegungen verändert er die Szenerie und erzeugt eine große Faszinantion“, beschreibt Christian Moris Müller, welche künstlerische Bedeutung Max Riemelts Mitwirken für „Lichtgestalten“ hat.

Sebastian Schwarz („13 Semester“, „Blutsbrüdaz“, „Mängelexemplar“) und Max Woelky („Jakobs Bruder“, „Jüd Süss“, „Wechselspiel“) verkörpern in „Lichtgestalten“ in Nebenrollen den Gegenentwurf zu Katharina und Steffen. Während Katharina und Steffen den Neustart wagen wollen, zeigen ihre Freunde Robert (Sebastian Schwarz) und Paul (Max Woelky) auf den ersten Blick kein Verständnis für ihr Vorhaben. Sie suchen eher einen Weg in die Mitte der Gesellschaft und zerreiben sich zwischen Karrierebewusstsein und Selbstzweifeln.

Besonders glaubhaft vermittelt Sebastian Schwarz diese innere Zerrissenheit. Sein Satz „Wenn ihr mit eurem Ausstieg glücklich werdet, dann stellt ihr ja auch irgendwie mein Leben in Frage. Und wenn ihr scheitert, nehmt ihr mir auch die Hoffnung“, kann nahezu als Parabel zur Filmhandlung gelten.
 
Wer hat den Film inszeniert?

Genau dieses Gefühl der inneren Zerrissenheit, des Zwiespalts zwischen dem Verlangen nach einem radikalen Neubeginn und der Furcht, das alte Leben ganz abzuschließen, wird nicht nur durch das großartige Spiel der Darsteller um Theresa Scholze und Max Riemelt transportiert, sondern auch durch die Art, wie „Lichtgestalten“ inszeniert wurde: Christian Moris Müller, der – ähnlich wie Til Schweiger oder Matthias Schweiger – in seinem neuen Film nicht nur die Rolle des Produzenten, sondern auch die des Drehbuchautoren und Regisseurs von „Lichtgestalten“ einnimmt, beschreibt diese Art der Inszenierung im Presseheft zu „Lichtgestalten“ so:

Ich wollte nicht nur den Leidensdruck von Katharina und Steffen beschreiben, sondern ihre unerfüllte Sehnsucht spürbar machen. So habe ich nach Formen und Bewegungen gesucht, die zusammen mit dem Sounddesign und der Musik einen entsprechenden Kosmos öffnen, in den der Zuschauer die eigenen Sehnsuchtsbilder einbringen kann. Der Film sollte auf der Oberfläche offen und unbestimmt erscheinen, obwohl dahinter eine festgelegte Matrix liegt.

Dass dieses Experiment gelungen ist, liegt zum einen an Christian Moris Müller selbst, der schon 2005 mit seinem preisgekrönten Kinofilm „Vier Fenster“ für Furore sorgte, in dem er das Trugbild einer heilen Familie offenlegte. Bei „Lichtgestalten“ konnte Christian Moris Müller zudem auf erfahrene Crew-Mitglieder setzen.

Kameramann Mario Krause ist es beispielsweise gelungen, für „Lichtgestalten“ eine zärtliche, zurückhaltende Bildsprache zu finden, die – fern jedes Voyeurismus und jenes, durch Filme wie „Paranormal Activity“ bekannten pseudoauthentischen Homevideo-Stils –

Das Plakat von Christian Moris Müllers neuem Film „Lichtgestalten“

Das Plakat von Christian Moris Müllers neuem Film „Lichtgestalten“

die von Theresa Scholze und Max Riemelt verkörperten Emotionen perfekt einfängt.

Untermalt wird die dezente, feinfühlige Bildsprache in „Lichtgestalten“ vom Szenenbild: Die Szenenbildnerin Paola Cordero Yannarella hat das Appartement von Katharina und Steffen in einen Ort der Gegensätzlichkeit verwandelt, in dem Geborgenheit, vertraute Nähe und unbestimmte Abenteuerlust einen faszinierenden Kontrast ergeben.

Musikalisch wird dieser spannungsreiche Gegensatz in „Lichtgestalten“ von den drei Komponisten Phillip Feneberg, Felix Raffel und Chandra Fleig eingefangen. Sie haben eine stimmige Melange aus elektronischen Klängen, klassischer Instrumentalisierung und abenteuerlichem Sounddesign geschaffen.

 

Lohnt sich der Kinobesuch?

Mit „Lichtgestalten“ haben Christian Moris Müller und seine Crew rund um Produktionsleiter Martin Danisch einen mit Theresa Scholze und Max Riemelt stimmig besetzten Film geschaffen, der durch eine feine, fast schon sentimentale Bildsprache punktet und am Beispiel des aus alten Mustern aufbrechenden Paars Katharina und Steffen doch die großen Fragen unserer Zeit stellt: „Lichtgestalten“ stellt die Rolle von Geld, den Wert persönlichen Erfolgs und die Auswirkungen der Technologie auf unser tägliches Leben infrage und demonstriert einmal mehr die Bedeutung von Liebe in unserem Alltag.

Wohltuend ist dabei, dass der Film keine klaren Antworten liefert. Seine Stärke, die vor allem durch den Kontrast zwischen den vielschichtig angelegten Paaren Katharina und Steffen sowie Robert und Paul deutlich wird, bezieht „Lichtgestalten“ aus jener Offenheit. Wenn es das Ziel von Christian Moris Müller war, dem Zuschauer zum Nachdenken anzuregen, dann ist ihm dies mit seinem neuen Film „Lichtgestalten“ einmal mehr gelungen.

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