In Christian Schwochows „Bornholmer Straße“ wird Weltgeschichte lebendig

Nazis und DDR gehen im Kino und Fernsehen immer. Und das ist auch gut so – vor allem dann, wenn ein Film insgesamt so stimmig ist wie „Bornholmer Straße“. Am 5. November schalteten sieben Million Zuschauer ein, als Christian Schochows Drama Mauerfall-Komödie in der ARD lief. Pünktlich zum 25. Jahrestag des Mauerfalls ist „Bornholmer Straße“ nun auf DVD erschienen.

 bornholmerstrasseMassenszene aus dem Mauer-Film „Bornholmer Straße“

Worum geht’s?

„Bornholmer Straße“ erzählt das reale Geschehen, das sich am 9. November am Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße abspielte, aus dem Blickwinkel von Oberstleutnant Harald Schäfer (Charly Hübner). Schäfer sieht im Fernsehen die Pressekonferenz, in der Günter Schabowski die Reisebeschränkungen für DDR-Bürger aufhebt. Wenig später versammeln sich die ersten Menschen an Schäfers Grenzübergang und die Weltgeschichte nimmt ihren Lauf.

Während Harald Schäfer und seine „Genossen“ noch vergeblich auf Anweisungen ihrer vollkommen überforderten Vorgesetzten wartet, droht die Lage zu eskalieren: Die Menschenmenge wächst von Minute zu Minute und fordert lautstark ihre Ausreise. Unter dem enormen Druck der Masse entschließt sich Schäfer schließlich, den Grenzübergang zu öffnen und geht damit in die Geschichtsbücher ein.

Wer spielt mit?

Der Cast von „Bornholmer Straße“ ist hochkarätig besetzt. Mit Charly Hübner, Milan Peschel, Ulrich Matthes, Rainer Bock, Max Hopp, Frederick Lau und Ludwig Trepte spielen gleich sieben Schauspieler Hauptrollen, die sich in den letzten Jahren mit Filmen wie Banklady (Charly Hübner), Boxhagener Platz (Milan Peschel) oder Neue Vahr Süd (Frederick Lau, Ulrich Matthes), Coming In (Frederick Lau) einen Namen gemacht haben.

Auch bei der Besetzung der Nebenrollen haben Regisseur Christian Schwochow und Casting Director Anja Dihrberg ein gutes Gespür bewiesen. Peter Schneider, der mit „Die Summe meiner einzelnen Teile“ 2012 den Deutschen Filmpreis für die „beste männliche Hauptrolle“ erhalten hat, überzeugt in der Rolle des Lageroffiziers Heinz Wachholz und mit Margit Bendokat (Herr Lehmann, Blaubeerblau) in der Rolle der Ilona Krüger und Katharina Lorenz (Das Rote Zimmer, Geisterstunde) als Ines finden sich gleich zwei Nebendarstellerinnen, die so erfrischend spielen, dass man sie gerne öfter im Kino oder Fernsehen sehen würde.

Wer hats inzensiert?

Produziert wurde „Bornholmer Straße“ von Nico Hofmann (Robin Hood, Alleinflug – Elly Beinhorn) und Benjamin Benedict (Der Minister, Unsere Mütter – Unsere Väter) für die ARD Degeto. Für den künstlerischen Part zeichnet mit Christian Schwochow (Regie), Heide Schwochow und Rainer Schwochow (Drehbuch) eine „Familienbande“ verantwortlich. Christian Schwuchow führte bereits für „Der Turm“, „Die Unsichtbare“ und „Novemberkind“ die Regie. Bei „Novemberkind“ und „Westen“ schrieb Heide Schwochow das Buch während Rainer Schwuchow mit „Bornholmer Straße“ ein gelungenes Debüt feiert.

Die Kamera führt Frank Lamm, der vergleichsweise neu im Filmgeschäft ist. Mit dem Mehrteiler „Der Turm“ hat er 2011 sein erstes Projekt gefilmt. Es folgten diverse Werbespots, aber auch Achtungserfolge wie der ZDF-Film „Ein Sommer in Amstersdam“. Tatort-Episoden wie „Mauerpark“ oder „Borowski und der Himmel über Kiel“ lassen erkennen, dass Lamm sein Handwerk beherrscht. Mit „Bornholmer Straße“ liefert er eine grundsolide Leistung ab.

Lohnt sich der Kauf?

„Bornholmer Straße“ ist ein grundsolider und sehr komischer Film über die letzten Tage beziehungsweise Stunden der DDR, der genau zur richtigen Zeit auf den Markt kommt. Wer Filme wie „Der Rote Kakadu“, „Herr Lehmann“ oder „Sonnenallee“ gerne gesehen hat, dem wird auch „Bornholmer Straße“ sehr gut gefallen.

Mir fällt kein Film der letzten Jahre ein, der das Gefühl in der untergehenden DDR derartig komisch und dennoch mit einer solch großen inhaltlichen Substanz vermittelt hat. Das Experiment, den Mauerfall aus der Perspektive eines Grenzwächters zu erzählen, ist dem Team um Christian Schwochow gelungen.