Marc Brummunds Kinofilm Freistatt feiert seine Uraufführung beim Max Ophüls Preis

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In zwei Tagen startet der Max Ophüls Preis in Saarbrücken, das erste namhafte Film-Festival in diesem Jahr. Im Langfilm-Wettbewerb gehen zwei Filme ins Rennen, die für mich zu den Hoffnungsträgern des deutschen Films im neuen Jahr zählen: Christian Moris Müllers „Lichtgestalten“ und Marc Brummunds „Freistatt“.

Louis Hofmann (links) spielt die Hauptrolle in Marc Brummunds Film "Freistatt"

Louis Hofmann (links) spielt die Hauptrolle in Marc Brummunds Film „Freistatt“

Wovon handelt der Film?

Mit seinem neuen Film „Freistatt“, der beim Max Ophüls Preis in Saarbrücken seine Uraufführung feiert, ist Marc Brummund ein sensibles Drama rund um den 14jährigen Wolfgang (Louis Hofmann) gelungen. 1968, im Jahr der Studentenproteste, wird Wolfgang in das Fürsorgeheim der Diakonie im niedersächsischen Freistatt abgeschoben.

In Freistatt sollte er zu einem anständigen Jungen „erzogen“ werden. Doch das Fürsorgeheim ist alles andere als ein pädagogisch fortschrittliches Institut. „Freistatt“ steht in Marc Brummunds gleichnamigem Film wie eine Metapher für alles, gegen das sich die westdeutschen Studenten ab 1968 auflehnten: Wolfgang wird in Freistatt mit einem autoritären System voller Gewalt und Unterdrückung konfrontiert.

Der Film erzählt die Geschichte seines unerbittlichen Kampfes für seine Würde und gegen die Repressionen der Anstaltungsleitung und der Erzieher von Freistatt. Doch wie lange kann sich Wolfgang gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und perfiden Erziehungsmethoden wehren, ohne dabei selbst zu verrohen?

 

Wer spielt im Film mit?

Wolfgang, das rebellische Heimkind wider Willen, wird in Marc Brummunds Film „Freistatt“ vom erst 17 Jahre jungen Louis Hofmann verkörpert. Der gebürtige Mönchengladbacher läuft unter der Regie von Marc Brummund zur Höchstform auf und zeigt – wie schon in der Titelrolle von Hermine Huntgeburths Kinofilm „Tom Sawyer“, für den Louis Hofmann 2012 den „New Faces Award Sonderpreis“ erhielt – erneut sein eindrucksvolles schauspielerisches Talent.

An Louis Hofmanns Seite stellt Marc Brummund in seinem Film „Freistatt“ namhafte Schauspieler: Alexander Held („Sophie Scholl“, „Die Welle“, „Der Untergang“) und Stephan Grossmann („Weissensee“, diverse „Tatort“- und „Soko Leipzig/Wismar“-Episoden) beispielsweise sowie Max Riemelt („Napola“, „Die Welle“, „Freier Fall“), der auch mit Christian Moris Müllers Film „Lichtgestalten“ beim Max Ophüls Preis vertreten ist.

Axel Prahl und Ulrich Tukur haben in Marc Brummunds Film „Freistatt“ Nebenrollen übernommen.

 

Wer hat den Film inszeniert?

Marc Brummund hat das Drehbuch zu „Freistatt“ – gemeinsam mit Nicole Armburster – geschrieben und den Film im August und September 2013 weitgehend an Original-Schauplätzen inszeniert.

1970 in Diepholz (Niedersachsen) geboren, verantwortete Marc Brummund als Regisseur um die Jahrtausendwende erst einige Werbespots für Marken wie Renault und WWF, bevor er 2005 mit „Draußen“, „Kühe schubsen“ und „Heim“ drei beachtete Kurzfilme vorlegte. „Freistatt“ ist sein erster Kinofilm und es ist auch der erste Film, der Marc Brummund – zurecht – zahlreiche Preise einbringt: den Drehbuchpreis beim „23. Filmfest Emden“ und die Goldene Lola für das beste Drehbuch beim „Deutschen Drehbuchpreis 2013“.

 

Lohnt sich der Kinobesuch?

Mit „Freistatt“ ist Marc Brummund und seiner Co-Autorin Nicole Armburster ein echter Kunstgriff gelungen. Der Film erzählt mehr als nur die Coming-of-Age-Geschichte des rebellischen Heimkinds Wolfgang (glaubhaft gespielt von Louis Hofmann), sondern ist eher eine Parabel auf eines der dunkelsten Kapitel der westdeutschen Nachkriegsgeschichte: Die Auflehnung gegen das – in „Freistatt“ von Heimleitung und Erziehern verkörperte – autoritäre System war prägend für eine ganze Generation (die der Alt-68er) und die langsame Verrohung von Wolfgang findet ihre Parallele in der Geschichte der Roten Armee Fraktion, die bald nach 1968 schnell in die Gewalt und Illegalität abdriftete. In eben diesem Parabelhaften liegen für mich die Stärken von „Freistatt“.

2 Kommentare

  • Hubert Krinner

    Hallo,
    als ehemaliges Heimkind ( 11 Monate in Freistatt Haus Moorburg 1963-1964 ) interessiert mich
    der Film „Freistatt „,gibt es diesen als DVD und wo könnte ich diesen erwerben ?
    Mit freundlichen Grüßen
    Hubert Krinner

    • Michael Hensch

      Hallo Herr Krinner,

      „Freistatt“ gibt es leider noch nicht auf DVD. Der Film wird aber voraussichtlich noch in diesem Jahr im Kino zu sehen sein und dann anschließend wohl auch auf DVD und Blu-ray Disc veröffentlicht werden.

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