Maximilian Erlenweins packender Psycho-Thriller „Stereo“ mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu ist nun auf DVD und Blu-ray erhältlich

Es kommt nicht oft vor, dass sich Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu gemeinsam die Ehre geben. Erst zwei Mal spielten Deutschlands Vorzeige-Mimen im gleichen Film: 2013 in Oskar Roehlers „Quellen des Lebens“ und 2014 in Maximilian Erlenweins Psycho-Thriller „Stereo“. Erlenweins Film ist ab dem 20. November auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich. Zeit für eine Bestandsaufnahme.

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Jürgen Vogel in „Stereo“ – der Thriller besticht durch seine bedrückende Atmosphäre

 

Nur 90 Minuten Spielzeit hat „Stereo“ und doch wirkt Maximilian Erlenweins Psycho-Thriller deutlich länger. Das liegt zum einen an den ungewöhnlich ruhigen Bildern und unzähligen Momentaufnahmen, mit denen Erlenwein eine Episode aus dem Leben von Hauptfigur Erik Stück für Stück entblättert. Zum anderen passt die Erzählweise perfekt zum Ort der Handlung: In ein kleines Dorf auf dem Land haben sich Erik, seine Freundin Julia und deren Tochter Linda vor der Großstadthektik geflüchtet.

Hier eröffnet Erik eine Motorrad-Werkstatt, doch die Familien-Idylle wird bald getrübt: Henry, ein mysteriöser Fremder, taucht auf und lässt Erik nicht mehr aus den Augen. Erfolglos versucht der junge Familienvater seinen „Schatten“ loszuwerden und gerät darüber an den Rand des Wahnsinns. Vollends aus dem Ruder gerät sein Leben als mit Keitel und Wolfgang zu allem Überfluss noch zwei Gangster ins Dorf kommen, die behaupten, Erik zu kennen. Am Ende bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf der Suche nach Hilfe ausgerechnet an Henry zu wenden.

 

Wer spielt mit?

Dass „Stereo“ keine lahme Provinzposse, sondern stattdessen ein packender Thriller ist, liegt vor allem am starken Hauptcast: Jürgen Vogel vermittelt durch sein intensives und glaubhaftes Spiel ein sehr plastisches Bild von Erik, dessen Gemütslage sich schleichend verschlechtert, bis er schließlich in den Wahnsinn abdriftet. An seiner Seite hält Moritz Bleibtreu das Bild vom stets undurchschaubaren und so besonders bedrohlich wirkenden Henry aufrecht.

Die Chemie zwischen Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu stimmt so sehr und ihr intensives Zusammenspiel birgt so viele Überraschungsmomente, dass sich dem Zuschauer schnell die Frage aufdringt, wieso die beiden deutschen Vorzeige-Mimen nicht schon häufiger für den gleichen Film besetzt wurden.

Auch einige der Nebenrollen wissen in „Stereo“ zu überzeugen – allen voran Georg Friedrich und Rainer Bock gebührt großes Lob für ihre überzeugende Darstellung des bedrohlich-mysteriösen Gangster-Duos Keitel und Wolfgang. Dahingegen wirkt Petra Schmidt-Schallers stets leicht naive Interpretation von Eriks Freundin Julia etwas zu klischeelastig.

 

Wer hat’s inszeniert?

Maximilian Erlenwein als Regisseur und Drehbuchautor und seine Crew haben mit „Stereo“ ein echtes Experiment gewagt. Selten zuvor wurde ein Psycho-Thriller mit solch ruhigen Bildern und so schleichend, sich langsam entblätternd erzählt wie „Stereo“. Dass Erlenwein dieses Experiment geglückt ist, liegt am starken Cast um Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu und am Zusammenspiel der Crew um The Chau Ngo (Kamera), Heike Lange (Szenenbild), Stefan (Fahle) Uhlenbrock (Licht) und Elke Hahn (Maske).

Die düstere Atmosphäre, der dreckige Look und die wabernde, aussdrucksstarke Filmmusik (Filmtonmeister: Christoph Schilling) erzeugen ein allgegenwärtiges und stetig ansteigendes Gefühl der Bedrückung, das aus „Stereo“ einen düsteren, teilweise sogar surrealen Psycho-Thriller werden lässt.

Welches Bonus Material bieten Blu-ray und DVD?

Die DVD und Blu-ray Disc zu „Stereo“ enthalten ein umfangreiches Making-of, zwei Featurettes sowie Interviews mit den beiden Hauptdarstellern als Bonus-Material. Der Film lässt sich in Deutsch in Dolby Digital 5.1 und in den Bildformaten Dolby, PAL und Widescreen in 16:9 und 2.40:1 abspielen.

 

Lohnt sich der Kauf?

Selten zuvor hat mir ein deutscher Thriller – mit Ausnahme von Dennis Gansels „Die vierte Macht“ mit Moritz Bleibtreu und Max Riemelt in den Hauptrollen – so sehr gefallen wie „Stereo“. Das liegt nicht unbedingt an der Handlung, deren Plot ich persönlich ein wenig zu platt finde.

Die experimentelle Art, wie die Handlung inszeniert wird, und das Spiel von Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu machen aus „Stereo“ aber einen schweißtreibenden, packenden Psychotrip.Wer schon Filme wie „Fightclub“ und „A History of Violence“ gemocht hat, dem kann ich „Stereo“ nur sehr empfehlen.